Mit Freude älter werden von Peter Denker

Brief an einen Menschen fortgeschrittenen Alters

"Wie will ich leben, wenn ich alt bin" lautet das Thema eines Vorleseabends für Senioren.
Mit ‹1› Perspektivwechsel kann es lauten: "Wie kannst du dein Alter lebenswert machen".
Dazu schreibe ich der Seniorin oder dem Senior einen Brief,
in dem ich auf deren Empfindungen und Sorgen eingehe
und ihnen Möglichkeiten aufzeige, die ihnen von Nutzen sein können.

Mein lieber Mitmensch!

Zehn Befürchtungen und Sorgen

könnten deine sein:
  1. Hast du Angst vor dem Altwerden?
  2. Fehlt dir jetzt die Regelmäßigkeit des Arbeitsalltags?
  3. Bist du betrübt, weil keiner dich anruft oder besuchen kommt?
  4. Fhlst du dich gar abgeschoben oder kommst du dir nutzlos vor?
  5. Leidest du unter Langeweile, suchst Ablenkung mit Zeitvertreib?
  6. Fühlst du dich ausgebrannt und viel älter als du eigentlich bist?
  7. Sorgst du dich wegen Nachlassen des Gedächtnisses?
  8. Bist du einsam, weil so viele, die dir wichtig waren, schon nicht mehr leben?
  9. Hast du Angst vor Krankheit, Hilflosigkeit, Sterben und Tod?
  10. Verdrängst du die Frage nach dem Sinn deines Lebens?

Du bejahst hoffentlich nicht alle 10 Fragen, aber vermutlich einige.
Zum Schluss meines Briefes werde ich auf jede dieser Fragen eingehen.
Vorher möchte ich mit dir einiges Grundsätzliche dazu bedenken.

Einladung

Lass uns über solche Befürchtungen gemeinsam nachdenken.
Weil ich schon einigen Menschen dabei helfen konnte,
mit ihrem Älterwerden doch froh zu bleiben
und ihr Leben dabei als sinnvoll und schön zu empfinden,
lade ich dich mit diesem Brief zum Mitdenken ein.

Dein Ratgeber kennt keine Langeweile

Du möchtest vermutlich wissen, wer dir schreibt:
Mehr als siebzig Jahre bin ich alt,
habe meinen Beruf geliebt
und dachte bei Erreichen der Altersgrenze,
er würde mir sehr fehlen.
Sehr schnell merkte ich,
dass er mir nicht wirklich fehlt.
Denn endlich bin ich nicht mehr dauernd fremdbestimmt,
sondern fühle mich frei:
Endlich kann ich tun, was ich mag,
und: Lassen, was ich nicht mag!

Das tut mir gut, verstehst du?
Ich lerne gerne, lese viel und schreibe noch mehr.
Auch halte ich Sehenswertes gern mit dem Fotoapparat fest
und habe Freude daran,
aufgenommene Bilder zu bearbeiten
und sie auch andern zugänglich zu machen.
So ist es auch mit den ‹2› Aufsätzen, die ich schreibe.
Zum Lernen und Arbeiten verwende ich einen PC,
den ich auch selbst instandhalte.

Viele Menschen rufen mich an oder besuchen mich,
etliche, wenn sie Rat oder Hilfe suchen.
Ich höre ihnen gern zu und freue mich mit ihnen,
wenn wir gemeinsam Möglichkeiten finden,
wie sie mit ihren Problemen umgehen können.
Die Menschen, für die ich wichtig bin, sind es mir auch.
Du siehst: Langeweile ist mir fremd.

Aber keine Angst:
Ich werde dir nicht aufgeben,
dir an meinen Aktivitäten ein Beispiel zu nehmen.
Mit dir möchte ich nach Möglichkeiten suchen,
die zu dir passen und dein Wohlbefinden verbessern.

Klagen verschlimmert die Lage

Du weißt, wie es in Arztpraxen zugeht:
Das Wartezimmer ist der Ort,
an dem manche Patienten ohne Scheu
von all ihren Krankheiten und Leiden erzählen.
Sie meinen, das tue ihnen gut.
Sie verkennen aber,
dass das eigene Klagelied nicht Mitleid und Trost bewirkt,
sondern von andern nur als Anreiz verstanden wird,
es ihnen gleich zu tun, nämlich zu berichten,
wie schlimm es ihnen ergangen ist
und wie schlecht es ihnen geht.

Wenn ich selbst dergleichen mit anhören muss,
fühle ich mich selbst sehr unwohl.
Erst das Hereingerufenwerden beendet die Qual des Zuhörens.

Was lernt man daraus:
Wehklagen nützt nichts,
es schafft keine Nähe, kein Wohlbefinden, keinen ‹3› Trost.
Es ist allenfalls einem Pups vergleichbar,
der vorübergehend Erleichterung verschafft,
aber doch eigentlich recht peinlich ist.
Selbstmitleid lähmt den, der es hat,
und ebenso die damit konfrontierten Mitmenschen.
Wehklagen verschlimmert also das Unwohlbefinden.
Und das macht krank und kränker.
Es ist Ausgangspunkt für einen Teufelskreis.

Wohlbefinden ist heilsam

Eine liebe Verwandte litt unter Altersdiabetes und Einsamkeit.
Bei uns war sie oft und gern zu Besuch und fühlte sich dabei wohl.
Den ihr angebotenen Kuchen mit Schlagsahne gönnte sie sich,
obgleich sie fürchtete, danach mehr Insulin zu brauchen.
Daheim wunderte sie sich, dass der Blutzuckerwert gar nicht erhöht war.
Mehr noch war sie verblüfft,
dass das mitgenommene Stück des gleichen Kuchens am nächsten Tag
doch wie erwartet zu erhöhten Werten führte.
Das war nicht nur einmal so, sondern jedes Mal.

Der Kuchen in unserer Gesellschaft wirkte eben anders als derselbe Kuchen daheim.
Das zeigte deutlich, wie wichtig es ist, sich wohlzufühlen.
Seither weiß ich: "Wer sich wohl fühlt, ist gesünder!"
Natürlich heilt das Wohlbefinden physiologisch bedingte Krankheiten nicht,
aber offenkundig vermag es sie zu lindern.

Bedenke also:
Wenn du etwas tust, das dir gut tut,
tust du auch etwas für deine Gesundheit!
Darum: Sorge stets für dein Wohlbefinden!

Mit guter Perspektive zu mehr Wohlbefinden

Ein einfaches, bekanntes Beispiel zeigt,
wie sehr es darauf ankommt, wie man die Gegebenheiten anschaut.
Stell dir ein Glas vor, das genau zur Hälfte gefüllt ist.
Der Pessimist nennt es halb leer, der Optimist halb voll.
Beide haben recht; denn beide Aussagen stimmen ja.
Aber wer ist mit dem Zustand des Glases zufriedener?
Offenkundig der, der darauf schaut, was ihm gut tut, nicht wahr?

Du selbst kannst für dich entscheiden,
wie du das Glas betrachten magst.
Du siehst, dass Optimisten Zufriedenheit suchen,
Zufriedenheit finden und sich darüber freuen.
Anders die Pessimisten, die ihre Zufriedenheit darin finden,
überall Anlässe für Unzufriedenheit zu sehen und sie zu beklagen.

Welcher der beiden hat wohl mehr Freunde?
Welchen findest du sympathischer?
Möchtest du nicht auch Optimist werden, wenigstens ein bisschen?

Vom Lernen - auch im Alter

Der Hirnforscher ‹4› Gerald Hüther vergleicht das Gehirn gern mit einem Wegenetz.
In diesem einfachen Modell ist selbstverständlich,
dass ungenutzte Wege schließlich überwuchern und verschwinden,
während oft und viel genutzte Wege schließlich zu Straßen oder Schnellstraßen werden.
Wie in der Landschaft führt auch im Gehirn
der häufige Gebrauch neuer Verbindungen dazu,
sich dieser Verbindungen immer leichter bedienen zu können.
Das kennzeichnet die Lernfähigkeit des Menschen.
Und diese Fähigkeit bleibt sogar bis ins hohe Alter erhalten.
Das ist neurowissenschaftlich bewiesen!
Und je intensiver der Mensch lernt, desto erfolgreicher.

Angst vor Leid und die Absicht,
Leid zu vermeiden oder wenigstens zu verringern,
sind wirksame Antriebskräfte zum Umdenken.

Dazu eine persönliche Erfahrung, die das belegt: Ich hatte einen lieben alten Onkel.
Mit 94 Jahren wurde er zum Witwer.
Solange seine Frau lebte, hatte er nichts mit PCs am Hut.
Dann aber lernte er doch, damit umzugehen,
schrieb Briefe mit Word, Emails mit Outlook,
googelte in der Weltgeschichte herum
und erledigte seine wenigen Bankbesorgungen online.
Obwohl ihm seine Frau fehlte, fühlte er sich nicht einsam.

Trotz immer stärkerer Bewegungsbeeinträchtigungen
hat er fünf Jahre lang auf diese Weise viele Kontakte gepflegt,
Verabredungen getroffen und Erinnerungen ausgetauscht.
Er blieb ein fröhlicher, an allem interessierter und gastfreundlicher Mensch.
Er vermied es, über zunehmende Einschränkungen zu reden.
Statt dessen berichtete er gern von dem, was ihn erfreute.
Jeder, der ihn besuchte, bewunderte ihn deswegen.
Und ich selbst bin immer noch stolz auf meinen ‚ältesten Schüler',
der mit unvergesslich bleiben wird.

 

Mit Umdenken zur Lebenskunst

Jeder hat Angst vor Leid und immer der Wunsch,
Leid zu vermeiden oder wenigstens zu verringern.
Liebe Gewohnheiten sind häufig ursächlich dafür,
dass man von dem Leid nicht loskommt.
Du bist nun einmal kein Optimist, sagst du?
Du meinst, Optimisten seien Menschen,
die glauben, am Ende werde alles gut und schön?

Du hast recht, wenn du solche für naive Traumtänzer hältst.
Das bist du gewiss nicht.

Eine Reihe leidvoller Erfahrungen haben mich dazu gebracht,
Optimismus ganz anders zu definieren:
Ich nenne Menschen Optimisten,
die nie aufhören zu fragen "Was geht trotzdem?"

Ist das nicht auch die genau zu dir passende Frage?
Hast du sie dir schon gestellt?
Das solltest du öfter tun,
immer dann, wenn dir etwas fehlt:
"Was würde jetzt meinem Wohlbefinden gut tun?"
- ganz konkret und realistisch.
Das nenne ich Lebenskunst!

Den gangbaren Weg finden

Es gibt so vieles, was deinem Wohlbefinden gut täte,
wendest du ein, aber die Umstände schränken dich zu sehr ein.
Davon hätte ich wohl keine rechte Vorstellung, meinst du.

Darauf antworte ich dir mit den Worten meiner Großmutter:
"Wünsche dir, was erfüllbar ist!"
Meine Oma war eine bescheidene, kluge Frau.
Ihren Rat gebe ich dir weiter,
weil er für deine Zufriedenheit ganz wichtig ist.
Du hast ein gutes, sicheres Gefühl dafür,
welche großen Wünsche jetzt utopisch wären.

Es geht auch nicht darum,
als Wunsch zu formulieren, was dir gut täte,
sondern darum, dich selbst zu fragen,
was du zur Steigerung deines Wohlbefinden tun oder lassen kannst.

Dabei lass es nicht an Fantasie fehlen:
Was geht trotzdem, trotz der Einschränkungen,
darauf suche intensiv nach Antworten.
Und sieh Beispiele, die ich dir nennen werde,
nicht als Vorgriff auf deine eigenen Antworten an.

Die folgenden Beispiele sollen nur Denkanstöße sein, mehr nicht.
Du allein bist dafür zuständig und verantwortlich
zu entscheiden, was dir gut dünkt.
So nämlich kannst du Lebenskünstler bleiben oder werden.

Nun lass uns die eingangs aufgezählten Befürchtungen und Sorgen betrachten.
Dazu gebe ich dir folgende

Denkanstöße:

  1. Angst vor dem Altwerden:

    Wenn du die Erfahrung machst,
    wie tragfähig die Frage ist, was trotzdem geht,
    dann wird sich die Angst vor dem Altwerden legen.

  2. Geregelter Alltag:

    Gib jedem Tag ein Gesicht,
    indem du dir bestimmte Tätigkeiten
    zu wiederkehrenden Zeiten regelmäßig vornimmst.
    Und wenn du - was auch immer - so tust,
    dass du dich dabei möglichst wohlfühlen kannst, dann ist es gut.
    Nimm dir geduldig Zeit für alles;
    denn du bist in der komfortablen Lage,
    jetzt ganz viel freie Zeit zu haben.
    Aber nimm dir nicht zuviel vor.
    Sobald du andern gegenüber klagst,
    du hättest nicht genug Zeit,
    hast du dir zuviel vorgenommen.
    Suche bewusst eine gute ‹5› Balance!

  3. Ausbleibende Anrufe und Besuche:

    Sind deine Erwartungen an andere vielleicht zu hoch?
    Oder haben jene womöglich selbst viel zu viel zu tun?
    Könnte es sein, dass sie dich mit ihren Sorgen nur nicht auch noch belasten wollen?
    Wie wäre es, ihnen einen Gruß zu schreiben oder sie einzuladen?
    Aber vermeide es, ihnen dein Leid zu klagen.
    Gleichwohl werden sie dir gewiss gern mit Kleinigkeiten behilflich sein wollen.
    Wenn du also deren Initiative vermisst, ergreife sie selbst.

  4. Abgeschoben oder nutzlos:

    Negative Gefühle über dich selbst verdienst du nicht: Du bist du.
    Selbst wenn andere dich geringschätzig behandelt haben, vergib und vergiss es.
    Im Ruhestand fängst du ganz neu für dich an
    und findest heraus, womit du dich sogar nützlich machen kannst.
    Einrichtungen wie Familienbündnis und Seniorenbeauftragte helfen dir gern,
    bei der Suche nach Möglichkeiten dafür.
    Sie vermitteln dir auch nötige Hilfe. Frag nach ihnen im Rathaus an.
    Und schau mal, was du beispielsweise deinen Enkeln alles beibringen kannst.
    Deine Zeit und Zuwendung sind ein Geschenk für sie:
    Zuhören, erzählen, vorlesen, spielen, backen, kochen, basteln und vieles mehr.

  5. Ablenkung bei Langeweile:

    Langeweile mit Zeitvertreib zu vertreiben
    ähnelt der Vertreibung des Teufels mit dem Beelzebub.
    Dabei ist doch die Zeit das Kostbarste, was uns geschenkt ist.
    Wenn du dir das bewusst machst,
    findest du andauerndes Zappen vor dem Fernseher nicht mehr gut.
    Neurowissenschaftler haben nachgewiesen,
    dass Fernsehen als gewohnheitsmäßiger Medienkonsum
    träge und dumm macht.
    Wähle, was du sehen magst, mit Bedacht.
    Und schalte ab, was dich anödet.
    Statt dessen ergreife, was dich aktiv sein lässt:
    Das Staubtuch, den Kochlöffel, die Backform, die Lesebrille, den Schreibstift,
    das Telefon, den Spazierstock oder Rollator zum Beispiel.
    Oder wie wäre es mit dem lange nicht mehr gespielten Instrument?
    Sich mit andern treffen zum Klönen, zu einem Ausflug, zum Malen, Singen, Tanzen?
    Beweise dir selbst:
    Die Zeit ist für dich ein kostbares Geschenk.

  6. Bournout:

    Wenn Arztbesuche, die Einnahme der Medikamente
    und therapeutische Maßnahmen keine Freude mehr aufkommen lassen,
    ist es gewiss schwer zu fragen, was trotzdem geht;
    aber es ist nicht unmöglich.
    Nein, solange du lebst, darfst du nicht aufhören,
    dir immer wieder diese Frage zu stellen.
    Und erlaube dir nicht zu sagen,
    dir fiele dazu nichts Gutes mehr ein.
    Verleihe deinen Gedanken Flügel,
    die dich über die Beschwernisse hinausheben.
    Mit Übung wird es dir gelingen,
    sogar andauernde Schmerzen soweit auszublenden,
    dass sie erträglicher sind.
    Sportler wissen: Wer aufgibt hat verloren.
    Gib dich nicht auf;
    denn es gibt bestimmt etwas, was trotz allem geht.

  7. Nachlassendes Gedächtnis:

    Das Gehirn wird mit zunehmendem Alter etwas schwerfälliger;
    aber solange es gesund bleibt,
    ist das Gedächtnis wie das Lernen (s.o.) trainierbar, auch im Alter.

    Ein paar Tipps dazu:
    Es muss nicht immer nur Rätselraten sein.
    Lesen und sich am Kapitelende nach dem Inhalt fragen,
    Einkaufen mit Einkaufszettel, den man erst vor dem Weg zur Kasse kontrolliert,
    tägliche Rückblende vor dem Einschlafen, was heute war
    und Vorschau, was morgen ansteht.
    Und wenn du dich morgens vor dem Aufstehen fragst,
    worauf du dich heute freuen kannst, betreibst du Seelenhygiene.
    Findest du darauf keine Antwort,
    sorge den Tag über für etwas Schönes am Folgetag.

  8. Einsam überleben:

    Je älter du wirst, desto einsamer, das scheint zwangsläufig so,
    aber eigentlich nur zahlenmäßig.
    Wenn du dich der Lieben erinnerst, die nicht mehr sind,
    bist du ihnen geistig doch nah.
    In deinen Erinnerungen hast du einen großen Schatz! Nicht nur mit dem Gang auf den Friedhof und der Grabpflege
    bekundest du deine Verbundenheit
    und erlebst du ihre gewandelte Gegenwart.
    Das ‹6› Gedenken an die Toten zu pflegen ist mehr als nur ein guter Brauch.
    Es wird dir dabei etwas Schönes zuteil!
    Aber vergiss nicht ihre Botschaft an dich:
    Solange du lebst begleiten dich ihre guten Wünsche und ihre gedankliche Botschaft.
    Sie könnte lauten: Hör nicht auf zu fragen, was trotzdem geht.

  9. Schwerwiegende Ängste:

    Angst vor schwerer Krankheit, Hilflosigkeit und dem Sterben hat wohl jeder Mensch.
    Es ist Gnade, wenn erstere dir erspart bleiben oder das Sterben sanft erfolgt.
    Bedenke aber, dass die Angst deine Lage nicht verbessern kann, im Gegenteil.
    Diese Ängst entkräften und lähmen. Sie ziehen dich nach unten statt nach oben.
    Sie sind zu nichts nütze. Aber wie kannst du ihnen beikommen?

    Dafür weiß ich kein Rezept, aber ich bekenne:
    Als gläubiger Christ darf ich meinen Leib und meine Seele Gott anempfehlen
    und mich auch im schwersten Leid von Ihm gehalten wissen.
    Am Ende der ‹7› Treppe, die mein Leben versinnbildlicht,
    werden sich mir väterliche Hände mit den Worten entgegenstrecken:
    "Den Rest der Treppe schenke ich dir, komm!"
    Das bestärkt mich darin, vor dem Tod selbst keine Angst zu haben.

  10. Wozu gibt es dich:

    Auf die Frage nach dem Sinn des Lebens gibt es unzählige Antworten,
    und jede ist besser als keine;
    denn die Frage einfach auszublenden ist dem Menschen nicht gemäß.
    Eine Antwort habe ich für mich selbst gefunden,
    zu der bekenne ich mich gern:

    Ich lebe, um zu lernen.
    Durch Lernen verbessert sich die Qualität der Seele,
    mit der mein Leben angefangen hat, finde ich.
    So hoffe ich, vom Schicksal dessen bewahrt zu bleiben,
    von dem das Gleichnis (Matth. 25, 14-30) erzählt,
    er habe das ihm anvertraute Talent vergraben statt es zu vermehren.
    Ich lade dich ein, einen Aufsatz über den ‹8› Sinn des Lebens zu lesen,
    der dich anregen möchte herauszufinden,
    wie du selbst die Sinnfrage beantworten möchtest.

Lieber Mitmensch,

mit diesen Denkanstößen
bin ich auf die anfänglich genannten Besorgnisse eingegangen,
die deine sein könnten.
Natürlich kann ich das, was viele Jahre deines Seniorendaseins umfasst
und sehr von deinen ganz persönlichen Umständen abhängt,
auch nur sehr allgemein in den Blick nehmen.
Aber ich wünsche dir und mir,
dass diese für dich aufgeschriebenen Gedanken
deine Lebensqualität erhalten und verbessern mögen.

Meine Grundüberzeugung ist:
Das Älterwerden ist ein Geschenk wie das Leben selbst.
Wenn du das auch für dich gelten lassen magst,
dann möchtest du gewiss gern immer noch älter werden.
Und die ständige Frage "Was geht trotzdem?" wird dir dabei helfen.

Das Gebet eines älter werdenden Menschen
der ‹9› Teresa von Avila (1515 - 1582)
möchte ich dir noch ans Herz legen:

Teresa of Ávila by François Gérard [Public domain], via Wikimedia Commons

"0 Gott du weißt,
dass ich von Tag zu Tag älter werde.

Bewahre mich vor der Einbildung,
bei jeder Gelegenheit und zu jedem Thema
etwas sagen zu müssen.
Erlöse mich von der großen Leidenschaft,
die Angelegenheiten anderer ordnen zu wollen.
Lehre mich nachdenklich, aber nicht grüblerisch,
hilfreich aber nicht aufdringlich zu sein.

Bei meiner ungeheuren Ansammlung von Weisheit
scheint es mir ja schade, sie nicht weiterzugeben.
Aber du verstehst, dass ich mir ein paar Freunde erhalten möchte.
Bewahre mich vor der Aufzählung endloser Einzelheiten
und verleihe mir Schwingen, zur Pointe zu kommen.

Lehre mich schweigen über meine Krankheiten und Beschwerden.
Sie nehmen zu,
und die Lust sie zu beschreiben wächst mit jedem Jahr.
Ich wage nicht, die Gabe zu erflehen,
mir die Krankheitsschilderungen anderer mit Freuden anzuhören,
aber lehre mich, sie geduldig zu ertragen.

Lehre mich die wunderbare Weisheit, dass ich mich irren kann.
Erhalte mich so liebenswert wie möglich.
Ich möchte keine Heilige sein,
mit ihnen lebt es sich schwer,
aber ein alter Griesgram ist das Krönungswerk des Teufels.

Lehre mich,
an anderen Menschen unerwartete Talente zu entdecken
und verleihe mir die schöne Gabe,
sie auch zu erwähnen."

Hierzu passt auch das ‹10› Reinhold Niebuhr (1892 - 1971)
zugeschriebene Gebet:

Roland Niebuhr by teologiapoliticaysociedad.blogspot.com

"Gott, gib mir die Gelassenheit,
Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,
den Mut,
Dinge zu ändern, die ich ändern kann,
und die Weisheit,
das eine vom anderen zu unterscheiden."

Diese Tugenden wünsche ich dir bis ans Ende deiner Tage!


LINKS:

‹1› P. Denker, "Bewusstsein schulen" - Erweiterte Wahrnehmung als Bewusstseinskompetenz: www.publicationes.de/bildung/kompetenzentwicklung/53-bewusstsein-schulen.html
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‹2› P. Denker, Veröffentlichungen zu Bildung & Erziehung, Politik & Gesellschaft, Wissen & Glauben u.a. auf : www.publicationes.de
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‹3› P. Denker,"Trost spenden" - Trost spenden ohne zu vertrösten : www.publicationes.de/wissen/psychologie/65-trost-spenden.html
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‹4› G. Hüter u. U. Feichtinger, "Biologie der Angst", Verlag Vandenhoeck & Ruprecht Göttingen 6. Auflage 2004, ISBN 3-525-01439-2, Abstract: www.weripower.at/pdfs/huether_biologie_der_angst.pdf
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‹5› P. Denker, "Balance suchen" - Schwierige Entscheidungen gründlich abwägen: www.publicationes.de/bildung/kompetenzentwicklung/54-balance-suchen.html
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‹6› P. Denker, "Der Toten gedenken" - Liebevolles Gedenken als kostbares Gut: www.publicationes.de/wissen/christliche-oekumene/99-toten-gedenken.html
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‹7› P. Denker, "Himmelfahrt" - Hoffnung auf ein gutes Ende: www.publicationes.de/wissen/christliche-oekumene/103-himmelfahrt.html
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‹8› P. Denker, "Über den Sinn des Lebens" - Unterschiedliche Aspekt und Einstellungen zum menschlichen Leben und Sterben: www.publicationes.de/wissen/philosophie/138-lebenssinn.html
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‹9› Teresa von Avila Foto von François Gérard [Public domain], via Wikimedia Commons: http://commons.wikimedia.org/wiki/File%3ATeresa_of_%C3%81vila.jpg
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‹10› Reinhold Niebuhr Foto aus teologiapoliticaysociedad.blogspot.com : http://teologiapoliticaysociedad.blogspot.com/2011/04/reinhold-niebuhr-teologo-del-realismo.html
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