Der Toten gedenken von Peter Denker

Liebevolles Gedenken als kostbares Gut

Die Kirchen haben mit Allerseelen , Allerheiligen beziehungsweise Totensonntag oder Ewigkeitssonntag im Kirchenjahr einen Tag bestimmt, an dem sie der Toten gedenken. Er liegt im Spätherbst, der Zeit früher Abende, langer Dunkelheit und kühler Temperaturen. Das entspricht der verbreiteten Einschätzung des Todes als kalt, dunkel und garstig. Des ungeachtet kann man aber das Toten-Gedenken doch so gestalten, dass es einen dabei nicht fröstelt.

Grabpflege

Viele Menschen suchen in dieser Zeit die Gräber ihrer Angehörigen auf, pflegen und schmücken sie. Und manche zünden ein Grablicht an, um der Dunkelheit zu trotzen und als Zeichen lebendiger Verbundenheit. Gewiss ist die Vorstellung, dass die Nachbarn beobachten, wie man mit dem Grab der Angehörigen umgeht, für viele ein Leid(!)motiv, so zu handeln. Aber das innere Leitmotiv wird doch bei einer Vielzahl sein, dass ihnen die Erinnerung an die Verstorbenen lieb und wichtig ist und dass diese eben am Grab besonders deutlich empfunden werden kann.

Friedhofsatmosphäre

Das Totengedenken am Grab hat allerdings für viele oder oftmals auch etwas Unangenehmes: Die Vorstellung von Verwesung und Staub erschwert lebendige, frohe Erinnerungen an den dort Bestatteten. Manchen dominiert am Grabe die Erinnerung an die schweren letzten Tage des Sterbens. Traurigkeit geht damit einher. Der Gang zum Friedhof fällt darum vielen Menschen sehr schwer, vor allem in der ersten Zeit nach deren Tod.

Erinnerungsstücke

Wohl jeder Mensch hat daheim Gegenstände, die mit dem verstorbenen Angehörigen zu tun haben, sei es ein Fotoalbum, ein Tagebuch, Briefe oder Sachen, die von ihm zu Lebzeiten benutzt wurden, Erinnerungsstücke also. Sie in die Hand zu nehmen, rückt uns den Menschen wieder ins Bewusstsein, indem wir uns die Situation vorstellen können, die ihn mit diesem Gegenstand verbunden hat. In Gedanken kann man ihn mit seiner typischen Haltung und Geste vor sich sehen. Und manche Situation kommt uns sehr anmutig vor oder lässt uns schmunzeln. Die erinnernde Wahrnehmung kann ungemein lebendig sein, ja sogar kommunikativ.

Erzählen

Ein anderer Zugang zum Gedenken an einen Verstorbenen ist das Gespräch über ihn mit anderen, die ihn gut kannten. "Weißt du noch, wie damals ..", macht Erinnerungen lebendig. Und das Gegenüber fügt seine Erinnerungen hinzu: "Und wie er / sie dann .." Häufig haben sich gerade fröhliche Anlässe oder humorvolle Verhaltensweisen dem Gedächtnis eingeprägt. So kann Erinnerung sehr unterhaltsam und unbeschwert sein.

Erinnerungstag

Wenn es Eltern beispielsweise wichtig ist, dass die Großeltern auch den Enkeln in Erinnerung bleiben, können sie ihre Kinder an deren Hochzeitstag zu sich einladen, einen gemeinsamen Friedhofspaziergang mit ihnen unternehmen, das von jenen tradierte Essen oder Backwerk zubereiten und sie ermuntern, von ihren Erinnerungen an die Großeltern zu erzählen. In der Gesprächsrunde kann jeder zwanglos etwas beisteuern. Und am Ende kann sich das gute Gefühl von Nähe zu den Großeltern eingestellt haben.

Sich mit dem Toten beraten

Der liebenswerte Mensch, dessen wir uns so erinnern, kann uns als Persönlichkeit so deutlich vor dem geistigen Auge stehen, wie wir ihn früher erlebt haben. Sogar als Ratgeber kann der Tote fungieren, weil wir sein Verhalten, seine Einstellungen und seien Art etwas zu beurteilen kennen und lebendig erinnern. Für manchen ist die Frage, was der liebe Verstorbene raten würde, in einer problematischen Entscheidungssituation sehr hilfreich; denn es weitet den Blickwinkel des zuvor auf sich fixierten Besitzers des Problems. Es gibt sogar Menschen, die aus dem Erlebnis einer lebendigen Kommunikation mit einem nahestehenden Verstorbenen schlussfolgern, dass er gar nicht tot sei, sondern in der geistigen Welt wirklich lebt. Daraus gewinnen sie für den eigenen Tod eine ganz starke Zuversicht.

Furchtlosigkeit

Engelstatue auf dem Friedhof in Ober-Ramstadt, Foto: Peter Denker

Engelstatue auf dem Friedhof in Ober-Ramstadt
Foto: Peter Denker

Gestärkt wird solche Zuversicht christgläubiger Menschen durch die Zusicherungen des ewigen Lebens und der Auferstehung, denen die Feier der eingangs erwähnten Feste im Kirchenjahr Ausdruck gibt. Wer mit solcher Zuversicht stirbt, braucht den Tod wahrlich nicht zu fürchten, mag auch das Sterben noch so schwer und schmerzhaft sein.


LINK:
[1] Essay Auf dem Weg nach Emmmaus: www.publicationes.de/wissen/christliche-oekumene/97-emmaus.html


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