Aschermittwoch von Peter Denker

Über Entstehung und Bedeutung dieses Tages

Nach Karneval kommt Aschermittwoch. Schon jedes Kind weiß das. Aber woher kommt und was bedeutet der Tag eigentlich?

Religionsgeschichtlicher Hintergrund

Aschermittwoch markiert den Anfang der 40-tägigen Fastenzeit, deren Dauer an das 40-tägige Fasten Jesu in der Wüste (Mt 4,2) angelehnt ist. Ebenso lange dauerte das Verweilen von Mose auf dem Berg Sinai (Ex 24,18) und die Wanderung des Elias zum Berg Horeb (1.Kön 19,8). Indem die Sonntage vor Ostern seit der Synode von Benevent im Jahr 1091 nicht als Fastentage zählen, liegt Aschermittwoch als Beginn der 40 Fastentage in der Woche nach dem 7. Sonntag vor Ostern (Estomihi). Die letzte dieser Fastenwochen ist die [1] Karwoche.

Asche als Zeichen der Vergänglichkeit

Der Name dieses Tages rührt von dem Brauch her, an diesem Tag in liturgischer Feier Asche vom [2] Palmsonntag des Vorjahres zu segnen und an Gläubige auszuteilen, sei es durch Bezeichnung der Stirn mit einem Aschekreuz, sei es durch Bestreuen des Hauptes mit etwas Asche. Dieser Brauch ist seit dem 12. Jahrhundert überliefert. Bei der Austeilung wird gesagt: "Sei dir bewusst, Mensch, dass du aus Staub entstanden bist und zu Staub zerfallen wirst". Und dieser Satz ist es wert, auch ökumenisch bedacht und betrachtet zu werden.

Freude am Leben will nicht enden

Die Sterblichkeit des Menschen ist gewiss das, womit sich die meisten Menschen sehr schwer tun. Alles Erdenkliche wird zur Lebensverlängerung unternommen, um das Sterben hinauszuschieben, wenn es denn schon unvermeidlich ist. Denn das Leben ist die Zeit, die man mit seinen Fähigkeiten gestalten, mit seinen Sinnen genießen und mit seinen Geisteskräften begreifen kann. Der Mensch hängt am Leben, ganz natürlich. Jedenfalls solange er es in irgendeiner Weise als lebenswert empfinden kann.

Worauf es im Leben ankommt

So gut es ist, jeden Tag in geistiger und körperlicher Aktivität als lebenswert zu erleben, so wichtig und befreiend ist es, sich auch der Endlichkeit all dessen bewusst zu sein. Denn unter dem Gesichtspunkt, was nach dem Tode übrig bleibt, bekommen die eigenen Aktivitäten und Wünsche ein ganz anderes Gewicht. Nicht mehr die Besitztümer sind wichtig, denn sie bleiben zurück, und nicht die gesammelten Reiseeindrücke oder die lustvollen Erinnerungen bleiben erhalten. Was aber erhalten bleibt - mindestens für eine Weile und bei den uns geistig verbundenen Menschen - ist, wie viel Zeit und Gedanken wir ihnen schenken konnten. Was zu sagen, zu schreiben, zu gestalten war, was wir gedacht und aus Überzeugung getan haben, das verfällt nicht zu Staub. Es überdauert uns und bleibt. Es ist ein Stück [3] Unsterblichkeit.

Verzicht schenkt Freiheit

Sich der Endlichkeit des eigenen Lebens bewusst zu sein, befreit von törichten, eitlen und hinfälligen Wünschen. Und davon frei zu werden, eröffnet neue Möglichkeiten. Nämlich ungeahnt Neues zu denken, den Augenblick unter dem Gesichtspunkt seiner Bedeutsamkeit anders zu erleben und andere, wesentliche Gedanken zu formulieren und mitzuteilen. Diese Freiheit, die das [4] Bewusstsein von der Sterblichkeit schenkt, begründet die Chance, dass uns etwas Geistiges tatsächlich überdauert. Wir gewinnen also, was uns vorenthalten zu sein scheint, indem wir uns darauf einstellen, dass es so ist: Verzicht ist Gewinn. Bejahen des Unvermeidlichen eröffnet neue Perspektiven und Möglichkeiten.

Immer wieder Aschermittwoch

Der Bedeutung dieser Gedanken wegen, ist es gut, dass es Aschermittwoch jedes Jahr gibt. So wie die Gedanken der Jahresfeste im Kirchenjahr es wert sind, häufiger - am besten ständig - bedacht zu werden, darf man sich selbst sagen: Aschermittwoch ist jeden Tag. Insbesondere die Zeit der "7 Wochen", die Fastenzeit erhält so über ihren physiologischen Nutzen und das Gedächtnis an das Fasten und Leiden von Jesus Christus hinaus einen geistigen Impuls, wie ihn schon Angelus Silesius um 1650 herum formuliert hat: "Mensch werde wesentlich: denn wenn die Welt vergeht, so fällt der Zufall weg, das Wesen, das besteht."


LINKS:
[1] Essay Die Karwoche: www.publicationes.de/wissen/christliche-oekumene/89-karwoche.html - zurück zu [1] -
[2] Essay Palmsonntag: www.publicationes.de/wissen/christliche-oekumene/90-palmsonntag.html - zurück zu [2] -
[3] Essay Der Toten gedenken: www.publicationes.de/wissen/christliche-oekumene/99-toten-gedenken.html - zurück zu [3] -
[4] Essay Bewusstsein schulen: www.publicationes.de/bildung/kompetenzentwicklung/53-bewusstsein-schulen.html - zurück zu [4] -


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