Palmsonntag von Peter Denker

Glaube will ankommen

Gerda Dittmann 'Einzug in Jerusalem', Acryl auf Leinwand

Gerda Dittmann 'Einzug in Jerusalem', Acryl auf Leinwand
Foto: Peter Denker

Palmsonntag hat seinen Namen von den Palmzweigen, die von den Menschen in Jerusalem auf dem Weg ausgebreitet wurden, auf dem sie den Messias kommen sahen. Mit diesem Ereignis, von dem alle Evangelisten berichten, beginnt die [1] Karwoche.

Die Ereignisse beim Einzug in Jerusalem

Jesus hat sich von seinen Jüngern in Betfage (vgl. [2] Karmontag) eine Eselin und ihr Folen besorgen lassen. Darauf reitend zieht er in Jerusalem ein. Seine Begleiter verkünden mit lauten Hosanna-Rufen, er komme als "Sohn Davids" und "im Namen des Herrn". Die ganze Stadt gerät dadurch in Aufregung. Zahllose Anwohner säumen bald den Wegesrand. Das Bild, das sich ihnen bietet, erinnert sie lebhaft an die allbekannten Profetenworte Sacharjas (Sach 9,9), der vorhergesagt hat, dass genau so der ersehnte Friedenskönigs ankommen werde. Danach hatten die Israeliten große Sehnsucht, denn sie wünschten sich nichts so sehr wie die Befreiung von der Vorherrschaft und Bevormundung der Römer. Sie hoffen - bis auf den heutigen Tag - auf den "Messias" als ihren Befreier. Am Tag des Einzugs von Jesus Christus in Jerusalem projiziert das Volk seine Hoffnung auf ihn, von dem es meint, Profezeiung des Sacharja erfülle sich jetzt. Darum legt es ehrerbietig Gewänder und Palmzweige auf den Weg und stimmt begeistert in die Hosannarufe seiner Begleiter ein. So entsteht eine ekstatische Stimmung wie bei einer Massenhysterie, die erst bei Jesu Ankunft im Tempel abebbt.

Bedeutung für die Heilsgeschichte

Der Einzug in dieser Stadt, dem Mittelpunkt der jüdischen Welt und geistiges Zentrum der vorchristlichen Welt, ist für Jesus selbst von ähnlich weitreichender Bedeutung wie seine Taufe im Jordan etwa drei Jahre zuvor: Ankunft mitten in der Welt, bei den Menschen. Aber Jesus legt diesen Weg anscheinend ohne Anzeichen von Rührung oder Freude zurück. Denn er kann vorhersehen, dass diese Begeisterung nicht nur abrupt enden, sondern sogar in das krasse Gegenteil der hasserfüllten Ablehnung umschlagen wird. Aber er weiß auch: Seine Ankunft in Jerusalem, dem Bild für die ganze reale, machtbesessene und an Äußerlichkeiten klebende Welt, muss sein. Er will bei den Menschen nicht flüchtige Begeisterung auslösen, sondern in ihrem Inneren ankommen, ja - weil es sein muss - sich sogar für sie opfern. Im Wissen um die Unbeständigkeit aller Ekstase lässt er die überschwängliche Ehrung an sich abgleiten. Denn in Jerusalem wird er nicht zur Königswürde erhoben, sondern von den pharisäischen Machthabern abgelehnt, der Gotteslästerung bezichtigt, angeklagt, auf ihr Betreiben gefoltert und schmählich hingerichtet werden. Dieser aufopfernde Weg hat an Palmsonntag begonnen.

Bedeutung für die Gegenwart

Jesus weiß, was die Menge erst rückblickend erkennt: Die öffentliche Meinung ist unbeständig und unzuverlässig. Ekstatische Begeisterung ist nicht dauerhaft, sondern flüchtig. Alle Ekstase ist vergänglich: Wie zeitlos wahr und wie erschreckend!
Das Palmsonntagsgeschehen enthält Warnungen: Die begeisterte Zustimmung vieler ist längst kein Garant für Beständigkeit. Die Zustimmung der Massen kann jederzeit ins Gegenteil umschlagen. Wirkliche Werte erweisen ihre Echtheit auch durch Dauerhaftigkeit.
Die schönste Botschaft vom Palmsonntag hat den Charakter einer Einladung: "Lass Jesus Christus im Herzen ankommen, nicht irgendwann und irgendwo an einem geweihten Ort, sondern hier und jetzt und immer wieder."

Brauchtum

Zur [3] Liturgie der katholischen Kirche am Sonntag "In dominica palmarum" gehört die Weihe der "Palmzweige" (wo solche nicht wachsen auch Zweige von heimischen Sträuchern wie beispielsweise Liguster). In einigen Regionen (beispielsweise Österreich, Bayern, Italien und Spanien) werden Zweige zu mit Bändern und Symbolen verzierten "Buschen" gebunden, die mancherorts an geraden Ästen ("Palmstangen") befestigt werden. Mit einer feierlichen "Palmprozession" werden die Buschen in die Kirche getragen und während der Messe gesegnet. Anschließend nehmen sie ihre Besitzer mit heim, schmücken das Haus, Stall oder Garten damit und erhoffen sich Fruchtbarkeit und Schutz vor Bösem als Wirkungen des "Palmsegens".
Zu [4] Aschermittwoch werden geweihte Palmzweige des Vorjahres verbrannt, um die Gläubigen mit dieser Asche als Symbol ihrer Vergänglichkeit zu bezeichnen.
Auch in manchen evangelischen Gemeinden ist es Brauch, am Palmsonntag kleine Sträuße grüner Zweige mit in den Gottesdienst zu nehmen und hernach daheim aufzubewahren. Während etliche darin nur einen hübschen Frühlingsschmuck sehen, gilt er manchen Christen als Ausdruck für den Wunsch, ihr Zuhause unter die Regentschaft von Jesus Christus zu stellen. Wie alle religiösen Zeichen bekommen auch die Palmzweige ihren Sinn und ihre Wirksamkeit aus dem Glauben der Menschen.


LINKS:
[1] Essay Karwoche: www.publicationes.de/wissen/christliche-oekumene/89-karwoche.html - zurück zu [1] -
[2] Essay Karmontag: www.publicationes.de/wissen/christliche-oekumene/91-karmontag.html - zurück zu [2] -
[3] extern Liturgie von Palmsonntag: www.erzabtei-beuron.de/schott/schott_anz.php?file=../schott/fastenzeit/karwoche/PalmsonntagB.htm - zurück zu [3] -
[4] Essay Aschermittwoch: www.publicationes.de/wissen/christliche-oekumene/98-aschermittwoch.html - zurück zu [4] -


© Copyright 2009 by PUBLICATIONES - details: www.publicationes.de/allgemeines/copyright.html