Sonnenaufgang am Ostersonntag von Peter Denker

Wie man Ostern an einer Quelle feiern kann

Vogelbrünnchen bei Waschenbach im Odenwald, Foto: Peter Denker

Vogelbrünnchen bei Waschenbach im Odenwald, Foto: Peter Denker

Wer Ostern auch einmal außerhalb des Kirchenraumes in der Natur und daheim feiern möchte, sollte sich mit seinen Lieben einfach am frühen Ostersonntag-Morgen auf den Weg zu einer Quelle begeben, um zu erleben, welch erhebende Gefühle ihm damit zuteil werden können.

Innere Vorbereitung

Um sich auf den den Ewigkeitssonntag, den Tag der Auferstehung von Jesus Christus, zu freuen, ist es eine wichtige Voraussetzung, die vorausgehende Karwoche als solche bewusst zu erleben. Gedanken dazu finden Sie in den Essays zur [1] Karwoche vom gleichen Autor.

Wer die Karwoche so oder ähnlich reflektiert hat, möchte die Auferstehungsfreude an Ostern wirklich erleben. Vielleicht mögen Sie jemanden einladen oder sich einladen lassen, den österlichen Sonnenaufgang an einer Quelle so zu feiern, wie es manche Christen andachtsvoll immer wieder tun? Laden Sie jemand dazu ein, mit Ihnen eine nahe Quelle am Ostersonntagmorgen aufzusuchen. Machen Sie sich früh genug auf den Weg, um vor Sonnenaufgang dort anzukommen. Vereinbaren Sie, auf dem Weg dorthin zu schweigen, denn Schweigen ist die Bedingung für und ein Ausdruck von Andacht. Und so lassen Sie etwas von der Grabesstille des [2] Karsamstags nachklingen. Wandern Sie gemeinsam vor Sonnenaufgang zu dem gewählten Ort der Andacht; denn bei Sonnenaufgang wurde das Wunder der Auferstehung offenbar. Der Gang zur Quelle wird so zu einem Symbol für die Suche nach Jesus Christus. Der Rückweg mag dann zu einem Symbol für die Begegnung mit dem Auferstandenen werden, wie sie die [3] Emmaus-Jünger erlebt haben.

Wenn Sie ein Schulkind mitnehmen möchten, sollten Sie mit ihm ein vorbereitendes Gespräch führen, für das Ihnen der vom Autor mit seiner Enkelin geführte [4] Dialog womöglich hilfreiche Orientierung gibt. Die dort wiedergegebene Unterhaltung verdeutlicht auch davon unabhängig die Intentionen und Wirkungen des hier beschriebenen Osterspaziergangs mit einfachen Worten. Kindliche Fragen machen nämlich auch den damit konfrontierten Erwachsenen manches erst richtig bewusst.

Äußere Vorbereitung

Damit das gelingt, muss man zuvor eine nahe Quelle ausgekundschaftet haben: Parkplatz und Wegzeit sind zu erkunden. Auch den [5] Zeitpunkt des Sonnenaufgangs muss man in Erfahrung bringen. Zum Mitnehmen bereitlegen sollte man den Text des Evangeliums (z.B. Joh. 20, 1-18), Trinkgläser, ein Küchentuch zum Einschlagen und Trocknen der Gläser, vielleicht einen Behälter für den Tagesbedarf an Trinkwasser und noch ein besonderes Fläschchen für die Aufbewahrung von Osterwasser übers Jahr. Und die Teilnehmer sollten die Vorschläge dieses Artikels z.B. am Vorabend mit einander besprechen, damit der Ostermorgen wirklich schweigend beginnen kann.

An der Quelle

Die Quelle und das aus ihr hervorsprudelnde Wasser sind Zeichen für die Unvergänglichkeit des Lebens. Das Wasser ist für das Leben aller Kreatur so lebensnotwendig wie der Glaube an Gottes Liebe für die Menschheit.

Waschen Sie sich die Hände im Quellwasser, denn es reinigt mehr als nur die Hände, es reinigt auch inwendig, um Ostern mit reinem Herzen zu feiern.

Benetzen Sie Ihre Augen mit dem frischem Quellwasser, denn die Augen sollen heil sein, um mehr zu erkennen als nur den äußeren Anschein der Dinge und Ereignisse, nicht nur heute.

Benetzen Sie auch die Ohren mit diesem Wasser, denn es ist wichtig, liebevoll hören zu lernen, um den Sinn und das Wesentliche wahrzunehmen statt nur Informationen.

Einer von Ihnen liest das Osterevangelium, denn der Bericht des Evangelisten erschließt den Sinn und die Verheißung des Auferstehungsversprechens Jesu Christi.

Und trinken Sie nacheinander von dem frischen Quellwasser, das Sie einander in den mitgenommen Gläsern zureichen. Denn wie das immer strömende Wasser eine Lebensgrundlage ist, so ist es auch ein Zeichen der geistigen Lebensgrundlage, die den Christen der Glaube an Christus bedeutet.

Indem Sie so zur Zeit des Sonnenaufgangs vom österlichen Quellwasser trinken, gedenken Sie der Gemeinsamkeit, die Christus gewollt und gestiftet hat, und freuen sich der Gemeinschaft mit einander und mit ihm. Jetzt mögen Sie einander umarmen und sich frohe Ostern wünschen. Vielleicht möchten Sie es mit den Worten tun, die z.B. in Griechenland in der Osternacht gebräuchlich sind: Der eine sagt: "Christus ist auferstanden", der andere antwortet : "Ja, er ist wirklich auferstanden."

Bei diesem gemeinschaftlichen Tun wird erlebbar, was Christus verheißen hat: "Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen" (Mt. 18,20). Vielleicht möchten Sie das [6] Lied mit diesem Wortlaut gemeinsam anstimmen?

Quellwasser mitnehmen

Wenn Sie vom Quellwasser einen Tagesvorrat schöpfen, von dem z.B. Kaffee oder Tee gekocht wird, nehmen Sie etwas für den ganzen Ostertag von dieser Quelle mit. Und wenn das Fläschchen Osterwasser vom Vorjahr noch nicht leer ist, entleert man es, wo es seinen Ursprung hatte, spült und füllt es neu. So bleibt ein kleiner Vorrat übers Jahr, den man äußerlich anwenden darf, um etwas innerlich zu erbitten. Bevor Sie aufbrechen, möchten Sie vielleicht noch ein Vaterunser gemeinsam sprechen? Denn es fasst auch die Freude am österlichen Sonnenaufgang als Zeichen der lichtvollen Erscheinung der Leben spendenden Nähe unseres himmlischen Vaters wunderbar in Worte.

Heimweg von der Quelle

Achten Sie auf dem Heimweg im aufsteigenden Licht des Frühlingstages auf die Vielfalt erblühender Pflanzen und auf den lauter werdenden Gesang der Vögel. Drückt sich nicht auch darin die beglückende Nähe Gottes aus?

Osterfrühstück

Auf dem vorbereiteten, österlich geschmückten Frühstückstisch steht für jeden ein Ei, das diesem Tag als Lebenssymbol auch einen unverwechselbaren Ausdruck verleiht.

Das vom Quellwasser bereitete Warmgetränk erinnert noch einmal an das gemeinsame Erleben.

Ostern: Suchen und Finden

Haben Sie Kinder oder Enkel, die man nach dem Frühstück versteckte Süßigkeiten suchen lässt? Es ist mehr als ein Spiel. Es geht nicht nur um die Süßigkeiten. Es geht ums Finden. Das macht die Süßigkeit zur österlichen Besonderheit.

Wenn Sie auf diese Weise Ostern begehen, können Sie vielleicht nachempfinden, wie es damals den Frauen am Grabe Christi ergangen ist:
Sie haben Christus gesucht - und gefunden!


LINKS:
[1] Essay Die Karwoche: www.publicationes.de/wissen/christliche-oekumene/89-karwoche.html zurück zu [1] -
[2] Essay Karsamstag: www.publicationes.de/wissen/christliche-oekumene/96-karsamstag.html zurück zu [2] -
[3] Essay Emmaus: www.publicationes.de/wissen/christliche-oekumene/97-emmaus.html - zurück zu [3] -
[4] Essay Ostern erfragen: www.publicationes.de/wissen/christliche-oekumene/156-ostern.html - zurück zu [4] -
[5] extern Zeitpunkt des Sonnenaufgangs: www.dnd-software.de/cgi-bin/sonne.php4 - zurück zu [5] -
[6] extern Lied "Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind": www.youtube.com/watch?v=beZ7H-PkJ5A - zurück zu [6] -


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