Schulische Verkehrserziehung von Peter Denker

Ziele und Inhalte

Das alltägliche Leben wird auch durch die Ausweitung und Verdichtung des Straßenverkehrs zunehmend beeinflusst. Ein Aspekt wachsender Mobilität im Straßenverkehr sind die hohen Unfallzahlen und zunehmende Aggressivität von Verkehrsteilnehmern. Deswegen müssen Schüler lernen, sich im Straßenverkehr sicherheitsbewusst und rücksichtsvoll zu verhalten. Ein anderer Aspekt der steigenden Mobilität der Menschen sind die damit verbundene Luftverschmutzung, Lärm und Verbrauch ökologischer Ressourcen. Schüler müssen also auch Einstellungen und Verhaltensweisen erlernen, die zum Umdenken und zur Entwicklung von Alternativen erforderlich sind. Darum gehört die Verkehrserziehung zum Unterrichts- und Erziehungsauftrag jeder Schule.

Bereiche der schulischen Verkehrserziehung

Die Verkehrserziehung beschränkt sich nicht nur auf das Verhalten von Schülern und auf ihre Anpassung an bestehende Verkehrsverhältnisse, sie schließt auch die kritische Auseinandersetzung mit Erscheinungen, Bedingungen und Folgen des gegenwärtigen Verkehrs und seiner künftigen Gestaltung ein.
Somit gehört die Verkehrserziehung zu den schulformspezifischen Bildungs- und [1] Erziehungsaufgaben. Sie soll einen Beitrag zur Sicherheits-, Sozial-, Umwelt- und Gesundheits-Erziehung leisten.

a) Sicherheitserziehung

Eine Aufgabe der Verkehrserziehung in Schulen ist es, den Schülern Qualifikationen zu vermitteln, die sie für ein sicherheitsbewusstes Verhalten im Straßenverkehr benötigen: Sie müssen motiviert und befähigt werden, Gefahren im Straßenverkehr zu erkennen, zu beurteilen, zu bewältigen und auch zu vermeiden.
Empfehlenswert ist in diesem Zusammenhang, die Zusammenarbeit mit der örtlichen Polizei oder auch mit einem Automobilclub wie beispielsweise dem ADAC. Dieser bietet ein Programm im Umfang von zwei Unterrichtsstunden für Schüler der Erprobungsstufe (Klasse 5/6) an, wodurch Schüler erfahren, wie man Unfallgefahren erkennt und vorausschauend handelt. Der Zusammenhang zwischen Geschwindigkeit, Reaktionszeit und Bremsweg wird praktisch demonstriert. Höhepunkt stellt eine Fahrt im ADAC-Aktions-Auto dar, in dem die Schüler als Mitfahrer lernen, was eine Vollbremsung ist und wie wichtig Sicherheitsgurte sind.

b) Sozialerziehung

Die Schüler lernen die Teilnahme am Straßenverkehr als ein auf Partnerschaft gerichtetes soziales Handeln verstehen. Soziales Handeln bedeutet dabei mehr als das Befolgen von Verkehrsregeln, es bedeutet auch den freiwilligen, vorausschauenden Verzicht auf das "Recht des Stärkeren" und anderer Vorrechte.
Die Schüler erkennen, dass erst das Zusammenwirken von Verkehrsregeln, sozialen Umgangsformen und ihre situationsbezogene Anwendung zu mehr Sicherheit im Straßenverkehr führen. Dazu sollen durch den Unterricht vor allem folgende Zielsetzungen erreicht werden:

  • das Erkennen und das Einschätzen des eigenen und des fremden Verkehrsverhaltens,
  • das Entwickeln eines [2] Bewusstseins für Gefahren,
  • das Akzeptieren von Regeln / Verkehrsregeln.

c) Umwelterziehung

Aufgrund der zunehmenden Bedeutung der Umweltfragen sollen die Schüler verschiedene Faktoren von Umweltbelastungen und -zerstörungen durch den Verkehr erkennen. Sie sollen kritisch eigene Verhaltensweisen, aber auch die der anderen Verkehrsteilnehmer beurteilen und mögliche Alternativen entwickeln. Dies bedeutet auch, begründete Entscheidungen bei der Wahl der Verkehrsmittel zu treffen oder umweltfreundliche Verkehrsmittel zu nutzen.

d) Gesundheitserziehung

Die Gesundheitserziehung in der Schule führt generell hin auf eine gesundheitsbewusste Lebensführung von Schülern. In einzelnen Teilbereichen ergeben sich Verbindungsmöglichkeiten zwischen der Gesundheits- und der Verkehrserziehung, beispielsweise

  • Lärm- und Stressvermeidung bzw. -bewältigung,
  • Schulweg ohne Auto oder
  • Radfahren als Bewegungstraining.

Organisation der schulischen Verkehrserziehung

Die Verkehrswelt ist eine Form zwischenmenschlicher Beziehungen mit ausgeprägten physikalisch-technischen, gestalterischen, kommunikativen und gesellschaftspolitischen Bezügen. Daher berührt die Verkehrserziehung die Inhalte vieler Unterrichtsfächer über mehrere Jahrgangsstufen. Deswegen ist in NRW nicht nur der Klassenlehrer sondern jeder Fachlehrer verantwortlich, sich an der Verkehrserziehung zu beteiligen. Dementsprechend soll diese Thematik in den Unterricht möglichst vieler Fächer einbezogen werden. Darüber hinaus ist die Behandlung einzelner Themen in Lehrgängen (z.B. Fahrrad-Training, Mofakurs), bei fächerübergreifenden Projekten sowie bei der Planung und Durchführung von Exkursionen und Wanderfahrten möglich und sinnvoll.
Die große Zahl der beteiligten Unterrichtsfächer macht es erforderlich, dass die Lehrkräfte die Inhalte der Verkehrserziehung für ihr jeweiliges Fach mit einander absprechen, verbindlich festlegen und fächerübergreifende Unterrichtseinheiten auch zeitlich koordinieren. Jede Schule benötigt dazu ein abgestimmtes Konzept als verbindlichen Teil ihres Schulprogramms. Für die an Gymnasien unterrichteten Fächer können die in der nachfolgenden übersicht zusammengestellten Möglichkeiten, die an einem Gymnasium in NRW zusammengetragen worden sind, als Empfehlungen gelten.

Physik

  • Elektrizitätslehre: Beleuchtungsanlage am Fahrrad, Dynamo, Akkumulator
  • Optik: Sehen und gesehen werden, Beeinträchtigung der Sicht (Fehlsichtigkeit, Umgebungsbedingungen), Scheinwerfer / "Katzenauge"
  • Mechanik: Anhalte- und Bremsweg (Reibungskräfte), Kraftübertragung (Energie und Impuls, Zentrifugalkraft
  • Wärmelehre: Motoren

Chemie

  • Kraftstoffe für Verbrennungsmotoren und deren Verbrennungsprodukte
  • Alternative Antriebsenergieträger für Fahrzeuge, beispielsweise Brennstoffzellen

Biologie

  • Wahrnehmung von physikalischen Reizen mit den Sinnesorganen
  • Ursachen der Beeinträchtigung von Wahrnehmungsvorgängen
  • ökologische Folgen des Straßenbaus, Erhaltung von Biotopen

Erdkunde

  • Allgemeine Mobilität als Gesichtspunkt der Infrastrukturplanung

Religion / Praktische Philosophie / Ethik

  • Rücksichtnahme als Verhaltensprinzip
  • Regeln des Umgangs mit einander
  • Verantwortung für sich und für andere
  • Umgang mit Stress-Situationen

Politik

  • Verkehrspolitik im eigenen Bundesland und in Deutschland
  • Umweltpolitik / Umweltschutz / Luft- und Lärmbelästigung (Klasse 6 und 10)
  • Freizeitverhalten (Klasse 6)
  • Der ÖPNV (öffentlicher Personennahverkehr) in der Gesellschaft
  • Kritische Behandlung des Themas "Drogen" - "Discos, Drinks and Driving?"

Deutsch

  • Lektüre über das Verhalten im Straßenverkehr (zum Beispiel ein Unfallbericht)
  • Berichten und Beschreiben: Aufbau des verkehrssicheren Fahrrads, Gefahren im Straßenverkehr, Personenbeschreibungen (auffällige, besonders sicherheitsrelevante Merkmale wie etwa helle Kleidung), ein Aufsatz (beispielsweise zu dem Thema: Wie man sich als Unfallbeteiligter verhalten soll) ein Protokoll einer Gerichtsverhandlung über ein Verkehrsdelikt.

Ordninariat

Dem Klassenlehrer kommt besonders im Anfangsjahr, so z.B. in der Jahrgangsstufe 5 des Gymnasiums in NRW, die Aufgabe zu, die Schüler in die Verkehrserziehung grundlegend einzuführen. Hierzu gehören:

  • Der [3] neue Schulweg: Schüler als Fußgänger, Fahrradfahrer, Mitfahrer in Bus und PKW,
  • Kennenlernen des Umfeldes der Schule und besonderer Gefahrenpunkte,
  • Einüben von situationsgerechtem Verhalten auf den Fluren, in den Treppenhäusern und Klassenräumen und auf dem Gang zu den Sportstätten.

Sinnvoll und nötig ist auch die entsprechende Information und Einbindung der Eltern durch den Klassenlehrer z.B. an [4] Elternabenden.


Literaturempfehlungen

(besonders für die Jahrgangsstufen 5 und 6):

  • "Partner auf der Straße", Deutsche Verkehrswacht e.V. Bonn, ARBEITSHEFT und ARBEITSBUCH zum Kopieren
  • "Sicher und mobil mit der Bahn: ein Medienpaket", Stiftung Lesen, FILM und ARBEITSVORSCHLÄGE

LINKS:
[1] Essay Gymnasiale Bildungsziele: www.publicationes.de/bildung/gymnasium/77-gymnasial-ziele.html - zurück zu [1] -
[2] Essay Bewusstsein schulen: www.publicationes.de/bildung/kompetenzentwicklung/53-bewusstsein-schulen.html - zurück zu [2] -
[3] Essay Der neue Schulweg: www.publicationes.de/bildung/schultipps/70-neuer-schulweg.html
[4] Essay Elternabende mitgestalten: www.publicationes.de/bildung/schultipps/71-elternabend.html -


© Copyright 2009 by PUBLICATIONES - details: www.publicationes.de/allgemeines/copyright.html