Auf die richtige Spur von Schnellstraßen von Peter Denker

Geisterfahrt vermeiden bzw. beenden

Wenn es regnet oder neblig ist, wenn eine Zufahrt durch Baustellenschilder oder Fahrbahnmarkierungen verändert ist, wenn eine Verkehrssituation unübersichtlich oder die Zufahrt zu einer Schnellstraße einfach nur unvertraut ist, dann kann es schwierig sein, die richtige Fahrspur zur Auffahrt auf eine Autobahn oder Schnellstraße zu finden. Wie man vermeiden kann, zum Geisterfahrer zu werden oder wie man sich verhalten sollte, wenn man merkt, dass man in der falschen Richtung fährt, ist Gegenstand eines [1] Interviews, das der Autor kürzlich mit Polizeihauptkommissar Ferdinand Derigs geführt hat.

Klare Sicht gewährleisten

Vor Fahrtantritt ist sicherzustellen, dass

  • die Scheibenwaschanlage gefüllt ist und
  • die Scheiben und Rückspiegel sauber sind.
Verschmutzte, vereiste, verschneite oder verregnete Scheiben müssen so gesäubert werden, dass freie Sicht in alle Richtungen gewährleistet ist. Damit die Scheibenwischer auch während der Fahrt ihre Zweckbestimmung erfüllen können, muss der zugehörige Flüssigkeitsbehälter ausreichend mit Wasser gefüllt sein, dem in der kalten Jahreszeit genügend viel Frostschutzmittel hinzugegeben wird.

 

Konzentration herstellen

Wer im Begriffe ist, auf eine Schnellstraße oder Autobahn aufzufahren, sollte

  • Gespräche beenden,
  • die Mitfahrer um Ruhe bitten,
  • das Radio stumm schalten,
  • nicht telefonieren,
  • sich ausschließlich auf die Verkehrssituation konzentrieren.

 

Störende Geräusche können die bei der Auffahrt nötige Aufmerksamkeit mindern. Es kann aber durchaus hilfreich sein, wenn der Fahrer seine Absicht und Wahrnehmungen den Mitfahrern (oder auch nur sich selbst) vernehmlich mitteilt, z.B. "Ich will gleich auf die Autobahn (bzw. Schnellstraße) in Richtung … auffahren. Darauf muss ich mich konzentrieren. Seid bitte solange ruhig. Nach den Schildern muss ich dazu die erste (bzw. zweite) Zufahrt nehmen, die rechts (bzw. links) abgeht und mich gleich passend einordnen."

Nicht zu früh links abbiegen

Die Gefahr, in der Gegenrichtung auf eine Schnellstraße oder Autobahn aufzufahren ist nur dort gegeben, wo die Zufahrt ein Linksabbiegen erfordert, denn nur dort mündet die Abfahrt der Gegenrichtung so auf den Zubringer, dass man dort ohne zu wenden hineinfahren könnte. Die beiderseits aufgestellten, runden Zufahrtsverbotsschilder (weißer horizontaler Balken auf rotem Grund) sollen das verhindern. Münden Abfahrt und Zufahrt nebeneinander in den Zubringer, achte man darauf, dass die Zufahrt wie folgt gekennzeichnet ist:

  • linker Hand durch das runde Zufahrtsverbotsschild mit darunter angebrachtem, rundem Gebotsschild (nach rechts unten gerichteter, weißer Fahrtrichtungspfeil auf blauem Grund) und
  • rechter Hand durch ein Hinweisschild mit Zielortangabe oder Autobahn- bzw. Bundesstraßen-Bezeichnung.

 

Leider kommt es vor, dass ein Autobahnzufahrtsschild mit Zielangabe auf der Mitte zwischen Ab- und Zufahrt, also linker Hand aufgestellt ist. Deswegen ist auf die zweite Regel nicht überall Verlass. Um bei Unsicherheit die richtige Zufahrt anzusteuern, empfiehlt es sich, langsam zu fahren und sich nicht drängeln zu lassen. Im Zweifelsfall ist anhalten besser als drauflosfahren.

Wenden und Rückwärtsfahren sind verboten

Wenden und Rückwärtsfahren sind auf Schnellstraßen und Autobahnen grundsätzlich verboten, weil davon eine akute und erhebliche Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer ausgeht. Wer also eine falsche Zufahrt genommen hat, muss die Fahrt in der ungewollten Richtung bis zur nächsten Ausfahrt fortsetzen und dort eine Zufahrt auf die gewünschte Fahrtrichtung suchen.

Ausnahmesituation Gefahrenabwehr

Wer allerdings aus Versehen eine Abfahrt als Zufahrt genommen hat, muss seinen Fehler so bald wie möglich unter Aufwendung aller möglichen Vorsicht behutsam korrigieren. Jedenfalls gilt:

  • Warnblinkanlage einschalten,
  • so weit wie möglich rechts halten,
  • Geschwindigkeit reduzieren und anhalten,
  • Fahrzeug nicht verlassen,
  • besonnen bleiben, keine Panik!

 

Das Verbot zum Wenden oder Rückwärtsfahren kann jetzt gegenüber der Pflicht zur Abwehr der herbeigeführten Gefährdung des Straßenverkehrs hintan stehen. Das Verhalten muss aber die Umstände der konkreten Situation beachten und darf andere nicht zusätzlich gefährden. Folgende Verhaltensweisen sind denkbar:

  • Ist man nur ein kurzes Stück in die Abfahrt eingefahren, kann langsames und umsichtiges Rückwärtsfahren in Betracht kommen.
  • Für ein Wendemanöver in einem Zug sind mindestens 3 Sekunden erforderlich, in denen ein Fahrzeug mit 90 km/h fast 100 m zurücklegt. Auf gerader Strecke dürften demnach 200 m freie Sicht ohne entgegenkommenden Verkehr ein zügiges Wendemanöver ermöglichen. An unübersichtlichen Stellen, z.B. im Kurvenbereich oder vor einer Anhöhe, darf man also auf keinen Fall wenden.

 

Nach dem Schrecken entspannen

Sobald die Gefahrensituation unfallfrei gemeistert ist, sollte man sich die nötige Zeit nehmen, um den damit verbundenen Stress abzubauen, z.B. indem man das Fahrzeug mit eingeschalteter Warnblinkanlage auf dem äußeren Rand des Seitenstreifens anhält und die Fenster zum Durchatmen öffnet. Erst wenn man sich beruhigt hat, sollte man die Fahrt fortsetzen, nachdem man sich auch vergewissert hat, dass man den Seitenstreifen gefahrlos verlassen kann.


Hinweis

Wie man sich gegenüber Falschfahrern am besten verhält, beschreibt der Artikel "Auf Falschfahrer richtig reagieren".


LINKS:
[1] Essay Polizei-Interview: Falschfahrer: www.publicationes.de/verschiedenes/verkehrssicherheit/100-falschfahrer.html - zurück zu [1] -
[2] Essay Auf Falschfahrer richtig reagieren: www.publicationes.de/verschiedenes/verkehrssicherheit/101-falschfahrer-unterwegs.html -


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