Gedrechselter Baumschmuck von Karl Rüdiger

 

 

Der Christbaum ist der schönste Baum …


Weihnachtsschmuck aus Holz zum Advent und zu Weihnachten ist Gegenstand eines dreiteiligen Zyklus, der Arbeiten aus der Drechselwerkstatt des Autors vorstellt, die er als Dekoration der eigenen Wohnung für die weihnachtliche Festzeit gestaltet hat.

Der erste Teil dieses Dreiteilers ‹1› Drechslers Advent steht unter dem Motto: ‹1a› "Es kommt ein Schiff geladen …"; Teil ‹2› Weihnachtspyramiden spielt mit seinem Motto ‹2a› "Komm, wir gehn nach Bethlehem …" auf alle Personen an, die auf dem Drehteller einer Weihnachtspyramide nach Bethlehem unterwegs sind. Im Mittelpunkt des hiermit vorgelegten dritten Teils dieses Weihnachtszyklus steht nun Schmuck für den Weihnachtsbaum, von dem das Volkslied weiß: ‹3› "Der Christbaum ist der schönste Baum …".

Weihnachtsbaumschmuck

Die Sitte, zu Weihnachten einen Tannenbaum ins Wohnzimmer zu stellen und zu schmücken, ist sehr alt und weit verbreitet. Das Immergrün seiner Nadeln gilt als Sinnbild des Lebens, der Schmuck als Ausdruck von Freude und Festlichkeit. Im Kerzenlicht vereinigt sich die Freude über das Weihnachtsereignis mit der Erleichterung, dass auf der nördlichen Hemisphäre die Tageshelligkeit wieder zunimmt. Was sonst als Schmuck am Lichterbaum zu hängen kommt, ist entweder durch Familientradition, durch blühende Phantasie oder Werbung bestimmt. ‚De gustibus non est disputandum' d.h. über Geschmack lässt sich nicht streiten, sagt man. Aber manches, was heute an Weihnachtsbäume gehängt wird, kommt nachdenklichen Menschen doch ziemlich artfremd vor. Außergewöhnlich, aber artverwandt und ausdrucksstark mutet demgegenüber ein Baumschmuck an, der auf Allan Beecham, einen Drechsler aus England (* 1940) zurückgeht. Er hat das dem Tannenbaum verwandte Material, also Holz, in eine Form gebracht, die das nachbildet, was manche gotischen Gebäudeteile als Kreuzblume ziert. Er hat solche ‚hängenden Kreuzblumen' als ‹A› 'Drop Finials' bezeichnet und in einer ‹4a› englischen Drechslerzeitung 2002 vorgestellt.

1. "Drop finials"
Anhänger für den Weihnachtsbaum - eine Schmuckidee aus England

In dem erwähnten Artikel der Drechslerzeitung heißt es, Allan Beecham "hat sich einige ‚Drop finials' als Schmuck für den Weihnachtsbaum ausgedacht, um Sie in festliche Stimmung zu versetzen". Mit bemaßten Werkzeichnungen seiner "Drop finials" hat er andere Drechsler eingeladen, solche Stücke nachzuarbeiten, und ihnen dazu viel Freude gewünscht. Diese Anregung hat der Autor aufgegriffen. An Tannenzweigen zum Schmuck aufgehängte Ergebnisse seiner Arbeit zeigen Abb. 1 und Abb. 17.

 

Abb. 1
Drop finials - Hängende Kreuzblumen

 

Die folgenden Abbildungen (Abb. 2 bis Abb. 4) zeigen eigene Werkskizzen als Adaptionen an Werkzeichnungen von Beecham.

 

Abb. 2 Abb. 3
Werkskizzen mit Maßangaben

 

Fialen und Kreuzblumen

Die bereits erwähnte Anmerkung ‹A› erklärt im Zusammenhang von "Drop Filials" auch die Begriffe Fiale und Kreuzblume. Diese Zierform trägt einen treffenden Namen. Fügt man man nämlich in die Werkzeichnungen senkrecht die Symmetrieachse und an den Leiben die waagerechte Mittellinie ein, dann entstehen, wie Abb. 4 verdeutlicht, Kreuze. Ein 'finial' mit einem Leib lässt das "Lateinisches Kreuz" erkennen, dessen Form der menschlichen Gestalt mit ausgebreiteten Armen gleicht. Das ist die bei uns am meisten verbreitete Kreuzform.

Hat ein 'finial' zwei Leibe, ergibt sich das Patriarchenkreuz, das auch Spanisches Kreuz genannt wird. Der kleine zusätzliche Balken über dem langen Querbalken symbolisiert das Brett mit der Inschrift ‹B› INRI . Auch darin findet sich also wieder ein verdeckter Hinweis auf Ostern im weihnachtlichen Schmuck.

Abb. 4
Hängende Kreuzblumen mit einbeschriebenen Kreuzlinien

 

Hängende Kreuzblumen - Etüden für Drechsler

Die beim Drechseln am häufigsten verwendeten Werkzeuge sind die Schalendrehröhre und die Formröhre. Letztere wird eingesetzt, um Formelemente zu drechseln, für deren Vielzahl der Drechsler eigene Fachbegriffe verwendet, die Abb. 5 veranschaulicht. Diese Bezeichnungen werden in den nachfolgenden Beschreibungen verwendet.

 

Abb. 5
Formelemente des Drechslers

 

An den feingliedrigen Profilen der 'Hängenden Kreuzblumen' kann man den Umgang mit der Formröhre vorzüglich üben und dabei mit den Formelementen so spielen, dass sie bei den 'Hängenden Kreuzblumen ' zu Zierelementen werden.

Allan Beecham sagt dazu: "An der Drehbank zu werkeln ist alles, was ich zur Zeit tue. Drechseln ist meine Arbeit, mein Hobby und meine Liebe. Nach einem Leben lang an der Drechselbank liebe ich es, spielerisch mit dem Drechseln umzugehen; das ist alles, was ich mache, spielen. Welch ein Leben!"

Damit spricht Allan dem Autor aus dem Herzen und weckt bei ihm die Assoziation an das ‹C› Schillerwort: "Der Mensch ist nur da ganz Mensch, wo er spielt!"

 

Abb. 6
Hängende Kreuzblume 1

Das Profil der 'Hängenden Kreuzblume 1' in Abb. 6 lässt sich so beschreiben: Zwischen der am oberen Ende die Kreuzblume abschließenden Kugel und dem 'Leib' ist ein dünner Steg eingefügt. Der folgende Profilabschnitt ist ein Karnies mit langer und kurzer Krümmung. Die Form des folgenden Übergangs in die Vertiefung des auslaufenden Schaftes ist eine Spitzkehle, die Allan Beecham "Vogelschnabel" nennt. Die Kreuzblume endet unten in einer Tropfenform.

 

Abb. 7
Hängende Kreuzblume 2

Der Leib der Kreuzblume 2 in Abb. 7 ist ein Rundstab, von dem die Krümmungen von Vertiefung und Wölbung beidseitig ausgehen und oben in einer Kugel und unten in einem Tropfen enden.

 

Abb. 8
Hängende Kreuzblume 3

Bei der Kreuzblume 3 in Abb. 8 zeigt sich bei den beiden Übergängen der Krümmungen zum Leib sehr schön die Form des "Vogelschnabels".

 

Abb. 9
Hängende Kreuzblume 4

Als Variation der voraufgehenden Kreuzblume 3 kehrt die in Abb. 9 gezeigte Kreuzblume 4 die Gewichtsverhältnisse um: Sie hat den Leib oben und den Schaft unten.

 

Abb. 10
Hängende Kreuzblume 5

Bei der Kreuzblume 5 in Abb. 10 folgt auf den Kugelkopf eine pyramidenförmige Kehlung, die in einem abgeschrägten Steg endet. Den Leib der Kreuzblume bildet eine etwas abgeflachte Halbkugel. Fast in der Mitte folgt als Übergang zum auslaufenden Schaft wieder ein Steg. Die anschließende Krümmung des fast dreieckigen Schafts mündet in eine Kugel ein.

 

Abb. 11
Hängende Kreuzblume 6

Stellt man sich das einbeschriebene Achsenkreuz der Kreuzblume 6 in Abb. 11 vor, dann liegt der Querbalken des Kreuzes so weit oben, dass es fast die Form eines ‹D› Tau-Kreuzes annimmt. Der Leib dieser Kreuzblume 6 ist in seiner Form vergleichbar einem gestauchten Rundstab. Dieser wird bekrönt von drei pyramidenartig sich verkürzenden Stegen, deren Enden vogelschnabelförmig abgeschrägt sind. Eine kleine Pyramide schließt diesen Formteil ab. Auf den Leib folgt nach unten der Schaft mit einem kelchförmigen Übergangsstück, der dann in eine Folge von 4 mandelförmigen, kleiner werdenden Elementen übergeht.

 

Abb. 12
Hängende Kreuzblume 7

Die Gesamtform der Kreuzblume 7 in Abb. 12 ist dreiteilig. Der in der Mitte liegende Leib, der wie der in Abb. 11 einem gestauchten Rundstab gleicht, steht zwischen zwei einander ähnlichen Holzzierteilen, wie man sie einzeln an "Wiener" Regulatorgehäusen vorfindet.

 

Abb. 13
Hängende Kreuzblume 8

Der Leib des "drop finials" in Abb. 13 macht die Mehrdeutigkeit der Vokabel "drop" in der Übersetzung mit Tropfen und zugleich mit Gehänge deutlich: Der Leib hat die Form eines Tropfens, die Gesamtform des "finials" aber ist ein Gehänge bzw. ein Anhänger. Die Gesamtform auch dieser Kreuzblume ist dreiteilig: Der Leib wird bekrönt mit einer Doppelspitze, die sich aus einem dreieckigen Knauf und einem Tropfen zusammensetzt. Der Schaft schließt nach unten mit zwei gekehlten Ringen an, die in einen auf dem Kopf stehenden Kegel mit gekrümmten Seiten münden. Ein Steg mit aufsitzendem Tropfen schließt den Schaft ab.

 

Abb. 14
Hängende Kreuzblume 9

Die Mitte der zweiteiligen Form in Abb. 14 markiert ein Spitzstab. Auf ein Formteil mit unsymmetrischer Kehlung, die in eine Wölbung ausläuft, folgt nach oben ein Steg, auf dem eine Kugel sitzt. Der Spitzstab in der Mitte setzt sich nach unten fort in einen breiten Steg, dessen Kanten oben schmal und unten breit abgeschrägt sind. Eine deutliche Einschnürung zeigt den Anfang des Schaftes an, der in seinen Umrisslinien die Form eines Drachenvierecks hat, dessen Spitze am langen Ende in einen Tropfen mündet.

 

Abb. 15
Hängende Kreuzblume 10

Die Konturierung in kleinen Abschnitten führt bei der Kreuzblume 10 in Abb. 15 dazu, dass sie zwar eine deutliche Mitte, aber keinen ausgeprägten Leib hat. Der Querbalken der Kreuzform ist als konkave Vertiefung wie beim Rand einer Schale angelegt, aus der sich eine Wölbung erhebt, auf der die Kreuzblumenspitze steht: Eine Kehle, in der Mitte unterbrochen durch einen Steg und bekrönt mit einem Tropfen. Unter der quer liegenden Randvertiefung dient ein Stab mit abgeschrägten Kanten als Übergang zum Schaft. Dieser ist zunächst wie ein zweiter Leib strukturiert, geht dann aber in einen hochstehenden Steg mit angefügtem Knauf über.

 

Abb. 16
Hängende Kreuzblume 11

Allan Beecham nennt seine Entwurfskizze zu der in Abb. 16 gezeigten Arbeit "Kaskade". Mit einer Länge über alles von 20 cm hatte er sie als Zimmerschmuck gedacht. Sie ist Gegenstand eines ‹4b› eigenen Artikels in der zuvor schon erwähnten englischen Drechslerzeitung.
Durch Verkleinerung um die Hälfte auf 10cm wird daraus eine zu den übrigen passende weihnachtlichen "Hängende Kreuzblume".

Das Zentrum dieser Kreuzblume 11 sind drei Stäbe, deren obere Wand als Wölbung herabgezogen ist. Nach oben krönt die Kreuzblume ein Doppeltropfen, unterbrochen durch einen kleinen Steg. Nach unten schließt ein Knauf die Form ab. Bei dieser Form ist eine Unterscheidung in Leib und Schaft aufgehoben zugunsten einer gestuften, von oben nach unten abfallenden Linie, die an das über Stufen abfallende Wasser einer Kaskade erinnert.

 

Abb. 17
Hängende Kreuzblumen an Tannenzweigen

Die Arbeit an den "Hängenden Kreuzblumen" hat - wie von Allan Beecham in Aussicht gestellt - wirklich und vielfältig Freude gemacht. Auf den gestalterischen Prozess, mit dem Längsschnitt zugleich eine Aufsicht auf das Objekt zu entwerfen, folgt die technische Realisierung der Formgebung. Die Beziehung zwischen dem ebenem Schnitt und dem räumlichem Rotationskörper ist jedem Drechsler geläufig, und doch ist das Drechseln selbst immer wieder ein lebendiger Vorgang, bei dem das Holz allmählich die vorgestellte Gestalt annimmt. Dabei erfordert das hier vorgestellte feingliedrige Weihnachtsdekor eine völlig andere Fertigkeit als beispielsweise das Drechseln einer großen Schale oder eines tiefen Hohlgefäßes. Die zweite Freude an den "Drop Finials" ist eine jährlich wiederkehrende, nämlich die Anbringung an Tannenzweigen in unterschiedlicher, harmonisch- schmuckvoller Anordnung. Schließlich wurde dem Autor bei Abfassung dieses Artikels eine dritte Freude zuteil, nämlich die bei der Beschreibung von Drechslerarbeiten mit der dieser Handwerkskunst eigentümlichen Fachsprache. Damit wird sichtbar Geformtes noch einmal, nämlich verbal geformt. Und zu Werkskizze und ihrem fertigen Gegenstand tritt seine Beschreibung mit Bild und Wort als weitere Möglichkeit, das Objekt darzustellen. Dieses Unterfangen hat dem Autor in der Vorweihnachtszeit dieses Jahres Freude gemacht, die sich vielleicht in dieser weihnachtlichen Zeit auf den ein oder andern Leser überträgt.

Handwerkliche DetailsHölzer:

Kirsche, Eibe, Pflaume, gestockte Birke, Walnuss, Birne, Buche;
Länge: 52 mm bis 127 mm,
Oberfläche: Danish Oil

2. Weihnachtliches im "Gehäus"

Das kaum noch gebräuchliche Wort ‹E› "Gehäus" meint einen Raum mit innerer Qualität, der zu Rückzug aus dem lauten Feiern der urbanen Weihnacht hin zu kontemplativer Wahrnehmung von Stille, wie sie im Stall zu Bethlehem geherrscht haben mag.
Dem Drechsler bietet ein "Gehäus" die Möglichkeit, ein inneres Objekt zusammen mit einer es schützend bewahrenden und zugleich zierenden, durchbrochenen Hülle zu verfertigen.
In weihnachtlichem Gehäus kann man sich beispielsweise einen Engel, einen Schneemann oder einen Weihnachtsmann vorstellen, um damit den Weihnachtsbaum zu schmücken.

 

Abb. 18
Engel im Gehäus

Der Engel im Gehäus (Abb. 18) erinnert zum Einen an die Botschaft, die der Engel Joseph im Traum verkündete:

‚Fürchte dich nicht, Maria, dein Gemahl zu dir zu nehmen; denn das in ihr geboren ist, das ist von dem heiligen Geist' (Matthäus 1, 20).

Es erinnert aber auch daran, dass der Engel Gabriel in die Stube zu Maria herein kam und ihr die Geburt ihres Sohnes Jesus verkündete. (Lukas 1, 26-35)

 

Abb 19
Schneemann im Gehäus

Der Schneemann im Gehäus steht für eine verbreitete Tradition, Weihnachten zu feiern:
Wenn man nach der Hektik der Vorbereitungen für die Feiertage langsam zur Ruhe kommt, wenn es dann an Weihnachten schneit, die Wohnung gemütlich warm ist, wenn aus der Küche verführerische Düfte die Räume durchziehen, die Kerzen am glitzernd geschmückten Weihnachtsbaum brennen und die Geschenke ausgepackt werden, dann erfüllt sich für viele Menschen ihre Vorstellung von Weihnachten. Das amerikanische Weihnachtslied von Irving Berlin ‚I'm Dreaming of a white Christmas' - Ich träume von einer Weißen Weihnacht, so wie ich sie kenne, das drückt die etwas sentimentale Stimmung aus, die sich mit dieser Art Weihnachten zu feiern, verbindet. Das alles fasst der "Schneemann im Gehäus" in ein Drechselobjekt.

 

Abb. 20
Weihnachtsmann im Gehäus

Der Weihnachtsmann im Gehäus (Abb. 20) versinnbildlicht eine in vielen Ländern gepflegte Tradition. Bekannt und beliebt als Symbolfigur des weihnachtlichen Schenkens kehrt er als Heiliger Nikolaus, Sinter Klaas, Pelzmärtel, St. Martin, Santa Claus oder Väterchen Frost in die Häuser ein, um die artigen Kinder zu belohnen oder die unartigen zu ermahnen. Für die Geschenke trägt er selbstverständlich einen prall gefüllten Rucksack mit sich. Die diesem Weihnachtsmann im Gehäus in die Hand gegebene Laterne erinnert an das Brauchtum der Martinslaterne. Außerdem trägt er auch einen kleinen Weihnachtsbaum als Zeichen für den Baum im Paradies, den Lichterbaum und den Baum der Gaben. Mit diesen besonderen Attributen steht er in seinem Gehäus und versöhnt miteinander säkulares und religiöses Feiern des Weihnachtsfestes.

 

Handwerkliche Details

Bei der Herstellung des "Gehäuses" kommt die sogenannte inside-outside-(innen-außen)Technik zur Anwendung:

Abb. 21
Kantel geviertelt, wieder zusammengeleimt
Kantel mit ausgedrechselter Kehle

Eine Holzkantel wird längs geviertelt und an den schmalen Enden fingerbreit wieder zusammengeleimt. Auf der Kantel wird mittig ein Abschnitt aufgetragen, der der Höhe des künftigen "Gehäuses" entspricht (Abb. 21). In den Grenzen dieser Markierung wird eine flache Kehle ausgedrechselt, die nach Beendigung des Drechselvorganges sofort geschliffen, geölt und poliert wird.

Abb. 22
Die Viertel der Kantel werden wieder
voneinander getrennt

Die Viertel der Kantel werden wieder von voneinander getrennt, zu zwei Hälften nebeneinander gelegt(Abb. 22), jedes Viertel um 180° gedreht und zu einer neuen Hälfte zusammengefügt, bei der die vorher außen liegende Kehle jetzt nach innen zu liegen kommt (Abb. 23).

Abb. 23
Die neuen Hälften der Kantel
mit jetzt innen liegender Kehle

Die beiden neuen Hälften werden nun mit der 'Kehlseite' flächig wieder zusammengeleimt (Abb. 24 f.).

Abb. 24
Die neuen Hälften mit innen liegender Kehle
vor dem Zusammenleimen

Nach dem Zusammenfügen entsteht eine neue Kantel (Abb. 25), die jetzt auf der Drechselbank weiter bearbeitet werden kann und ihre endgültige Außenform erhält.

Abb. 25
Die 'neue' Kantel mit innen liegendem 'Gehäus'

An den Wänden des 'Gehäuses' ist die Kantel jetzt sehr dünn (Abb. 26) und es bedarf großer Umsicht beim Drechseln der Außenform des 'Gehäuses'.

Abb. 26
Aufgespannte Kantel mit Blick in das "Gehäus"

Wenn die Wände die gewünschte Stärke haben, wird die Gesamtformform (Abb. 27) in Angriff genommen.

Abb. 27
Das "Gehäus" im Rohbau

Nach Andrehen je eines Steges an den Schmalseiten des "Gehäuses" kann es auf der Bandsäge abgesägt werden (Abb. 28) und der weiteren Fertigstellung zugeführt werden.

Abb. 28
Abtrennen des Gehäuses von den Resten des Kantels

 

 


 

Anmerkungen:

‹A› "Drop Finials" bedeutet sinngemäß "hängende Kreuzblumen".

      Für den Begriff "finial" findet sich im Enzyklopädischen Wörterbuch Englisch-Deutsch von Muret-Sanders (1909) die Übersetzung "Fiale". Das sind gotische Ziertürmchen, die sich hauptsächlich als Aufsatz von Strebepfeilern, Türmen und ähnlichen Bauteilen finden. Fialen bestehen aus einem Korpus (Leib) und einem länglichen Spitzdach mit dem Namen "Riese". Das mag sich etymologisch vom germanischen ‚risan' herleiten, was soviel heißt wie ‚sich erheben'. Auf dem Riesen schließt die Fiale mit einer Kreuzblume ab.
      Als Kreuzblume bezeichnet man die bekrönende Dekoration gotischer Architekturteile, die frei enden wie etwa Fialen, Strebepfeiler oder giebelförmige Bauteile, die Fenster, Portale oder Traufgesimse bekrönen (sogenannte Wimperge). Kreuzblumen sind knaufartig aus Knospen und Blättern geformt.
    Bei dem Begriff "drop" gibt die genannte Enzyklopädie als mögliche Übersetzung das Wort "Gehänge" an. Fügt man beide Begriffe zueinander, kann man "drop finials" also mit "Hängende Kreuzblumen" übersetzen.
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‹B› INRI sind die Anfangsbuchstaben der lateinischen Inschrift "Iesus Nazarenus Rex Iudaeorum", das heißt: "Jesus von Nazaret König der Juden".
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‹C› Friedrich Schiller hat in seinen Briefen "Über die ästhetische Erziehung des Menschen" die Wichtigkeit des Spiels für die Persönlichkeitsentwicklung hervorgehoben und die Sentenz geprägt: "Der Mensch spielt nur, wo er in voller Bedeutung des Worts Mensch ist, und er ist nur da ganz Mensch, wo er spielt."
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‹D› Das Taukreuz hat die Form eines "T". Es fehlt der obere senkrechte Teil über dem waagerechten Querbalken des Kreuzes. Der Name Taukreuz leitet sich vom 19. Buchstaben des griechischen Alphabets Tau (τ) ab. In der Darstellung der Kreuzigungsszene haben häufig die Kreuze der beiden Schächer beiderseits des Gekreuzigten die Gestalt von Taukreuzen. In der christlichen Lehre gilt das Taukreuz unter anderem als Bußzeichen. Es gilt aber auch als Segenszeichen und als Zeichen der Demut und Erlösung.
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‹E› Gehäus ist ein veraltetes Wort und bedeutet soviel wie Hütte, Verschlag, Klause oder Stube. In dieser Bedeutung hat es Albrecht Dürer bei seiner Darstellung des "Hl. Hieronymus im Gehäus" gebraucht.
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QUELLEN und LINKS:

‹1› Rüdiger, Karl Drechslers Advent: www.publicationes.de/verschiedenes/holzwelten/168-drechslersadvent.html

‹1a› Volksweise 'Es kommt ein Schiff ...' Text und Noten im Alojado-Archiv: www.lieder-archiv.de/es_kommt_ein_schiff_geladen-notenblatt_200026.html
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‹2› Rüdiger, Karl Weihnachtspyramiden: www.publicationes.de/verschiedenes/holzwelten/169-weihnachtspyramiden.html

‹2a› Volksweise 'Komm, wir gehn nach Bethlehem' Text und Noten im Alojado-Archiv: www.lieder-archiv.de/komm_wir_gehn_nach_bethlehem-notenblatt_503180.html
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‹3› Weihnachtslied 'Der Christbaum ist der schönste Baum' Text und Noten im Alojado-Archiv: www.lieder-archiv.de/der_christbaum_ist_der_schoenste_baum-notenblatt_200074.html
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‹4› WOODTURNING - THE WORLD'S LEADING MAGAZIN FOR WOODTURNERS
      published by the GUILD OF MASTER CRAFTSMAN PUBLICATIONS Ltd.

‹4a› Ausgabe December 2002, Nr. 118, S. 22 ff, "Christmas lovelies" to bring Joy by Allan Beecham: s. ‹4›
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‹4b› Ausgabe February 2003, Nr. 120, S. 23 ff, "Falling for cascades" by Allan Beecham: s. ‹4›
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