Oskar Schlemmer und das 'Triadische Ballett' von Karl Rüdiger

 

Von der Figurine zur gedrechselten Figur

 

Der nachfolgende Aufsatz steht am Anfang eines auf vier Teile konzipierten Zyklus, der Oskar Schlemmers künstlerisches Schaffen würdigt, indem darin von ihm inspirierte Drechselarbeiten vorgestellt werden. Dieser erste Aufsatz der Tetralogie zu Oskar Schlemmer geht auf sein Leben, das Bauhaus und speziell auf seinen Figurinenplan zum "Triadischen Ballett" ein. Die weiteren drei Aufsätze werden auf die ‹1› "Bauhausfeste", auf die ‹2› "Chinesische Nachtigall" und auf das ‹3› "Varieté"Bezug nehmen.

Wer war Oskar Schlemmer?

Foto von Oskar Schlemmer

Der Maler, Bildhauer und Bühnenbildner ‹4› Oskar Schlemmer wurde am 4. September 1888 in Stuttgart geboren und starb am 13.April 1943 mit 55 Jahren in Baden-Baden. Nach einer Ausbildung als kunstgewerblicher Zeichner studierte er an der Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart.
1920 erfolgte seine Berufung als Lehrer an das Bauhaus in Weimar. Hier wie auch später im Jahre 1925 in Dessau war er Leiter der Bauhausbühne. 1929 übernahm er an der Akademie für Kunst und Kunstgewerbe in Breslau die Leitung einer Bühnenkunstklasse. Sein künstlerisches Schaffen war bestimmt von dem Thema 'Die menschliche Figur im Raum'.

Abb. 1: Oskar Schlemmer  
Bauhaustreppe, Gemälde von O. Schlemmer

Von Oskar Schlemmers Bildern zählt das Gemälde ‹Bauhaustreppe› zu den bekanntesten.

Bei der Ausstellung ‚Entartete Kunst' (München, 1937) war Schlemmer mit fünf Bildern vertreten. Ab 1938 musste er an Tarnanstrichen für Militärflugzeuge und in Industrieanlagen sowie in der Lackfabrikation arbeiten.

Was ist das Bauhaus?

Das Bauhaus wurde 1919 in Weimar als ‹Schule für Gestaltung› von Walter Gropius gegründet. Es geht zurück auf den Deutschen Werkbund. Beide, Werkbund und Bauhaus, heben die Bedeutung des HANDWERKS für die künstlerische Gestaltung hervor. Durch die Aneignung manueller Fähigkeiten sollte eine neue Formensprache entwickelt werden.

Abb. 2: Bauhaustreppe  

In der Zeit der Weimarer Republik galten die "Bauhäusler" wegen ihrer freizügigen Gesinnung als "links". In Folge konservativ-reaktionärer Entwicklungen musste das Bauhaus in kurzen Abständen seinen Standort wechseln: Weimar (1919 - 1925), Dessau (1925 - 1932), Berlin (1932 - 1933).

Zu den bedeutendsten Lehrern am Bauhaus zählten Walter Gropius, Mies van der Rohe, Paul Klee, Johannes Itten, Wassily Kandinsky, Oskar Schlemmer und Lyonel Feininger. Deren Verbundenheit mit dem jüdischen Geistesleben führte dazu, dass die Idee des Bauhauses als "jüdische Bauhauskultur" von den Nationalsozialisten diffamiert wurde.

Die wichtigsten Professoren und Bauhausmeister emigrierten nach 1933 in die USA oder wanderten darum in die Niederlande, nach Großbritannien, in die Schweiz oder nach Israel aus. Nicht zuletzt diese Emigration führte zur universellen Anerkennung des Bauhauses.

Wohnhaus im Bauhaus-Stil

Das Bauhaus erfährt seit einigen Jahren eine bisher nicht dagewesene Aufmerksamkeit. Besonders das Interesse aus dem Ausland ist stärker als je zuvor. Bei uns ist das Bauhaus dagegen häufig nur noch vage im Bewusstsein der Menschen verankert. Und doch ist seine Bedeutung in den angewandten und darstellenden Künsten ungebrochen.
Sie findet ihren Ausdruck in der Architektur von Stadtvillen, öffentlichen Gebäuden und Industriebauten.

Abb. 3: Wohnhaus im Bauhaus-Stil  

Möbel, Lampen, Schalen und Gläser finden sich nach wie vor in deutschen Wohnungen oder Chefetagen und in den Auslagen:

Gedeck von Marianne Brandt im Bauhaus-Stil Sessel von Marcel Breuer im Bauhaus-Stil
Abb. 4: Gedeck im Bauhaus-Stil Abb. 5: Sessel im Bauhaus-Stil

Die Fertigung der Gegenstände nach dem Grundsatz: "Die Funktion bestimmt Form und Ästhetik der Arbeiten mit Bezug auf das jeweilige Material" weckt offenbar das Interesse den Menschen an solchen Objekten:

Das Bauhaus als Institution ist zwar tot, das Modell Bauhaus aber lebt!

Bauhaus - Oskar Schlemmer - Drechseln
Eine ungewöhnliche ‹Triade› !

Faltblatt zur Bauhaus-Jubiläumsausstellung 2009 in Thürigen

2009 wurde in Thüringen das Jubiläum "90 Jahre Bauhaus" gefeiert. Auf Faltblättern, Prospekten, Eintrittskarten und Katalogen waren sie sichtbar: das gelbe Dreieck, das rote Quadrat und der blaue Kreis. Die drei Grundfarben gelb, rot und blau sowie die drei Grundformen, Dreieck, Quadrat und Kreis waren das überall unübersehbare Logo dieses Jubiläums.

Für Oskar Schlemmer ist "die Drei eine eminent wichtige, beherrschende Zahl, bei der das monomane Ich und der dualistische Gegensatz überwunden sind und das Kollektiv beginnt." Schlemmer sagt dies im Hinblick auf sein Triadisches Ballett zur Erklärung des Titels "Triadisch".

Abb. 6: Faltblatt '90 Jahre Bauhaus'  

In einer Tagebuchnotiz vom 5.Juli 1929 führt er dazu weiter aus: "Abgeleitet von Trias = Dreiklang, ist das Ballett ein Tanz der Dreiheit zu nennen, des Wechsels der Eins, Zwei und Drei. Eine Tänzerin und zwei Tänzer: Zwölf Tänze und achtzehn Kostüme. Solche Dreiheiten sind ferner: Form, Farbe, Raum; die drei Dimensionen des Raumes: Höhe, Tiefe, Breite; die Grundformen: Kugel (Kreis), Kubus (Quadrat), Pyramide (Dreieck); Die Grundfarben: Rot, Blau, Gelb; die Dreiheit von Tanz, Kostüm und Musik, und so weiter."

Die Verbindung dieser Dreiheiten zum Drechseln ist durch die Dreiheit der Form gegeben. Bringt man nämlich den Kreis, das Quadrat oder das Dreieck zur Rotation, dann erhält man die rotationssymmetrischen Körper von Kugel, Walze bzw. Kegel, eben die drei Grundformen des Drechselns.

Abb. 7: Der Kegel als
Rotationskörper des Dreiecks
Abb. 8: Zylinder als
Rotationskörper des Rechtecks
Abb. 9: Der Kugel als
Rotationskörper des Kreises

Vom Figurinenplan zur gedrechselten Figur

"Das Triadische Ballett" nannte Oskar Schlemmer ein Tanzvorhaben, das er 1916-1920 skizzierte und das 1922 in Stuttgart zur Uraufführung kam. Zu der Zeit war er schon zwei Jahre Meister am Bauhaus in Weimar. Danach, von 1925 bis 1929, übernahm er die Leitung der Bauhausbühne in Dessau.
Für Kostüme und typische Gesten der drei darin auftretenden Tänzer gestaltete Schlemmer einen "Figurinenplan" von 38,5 x 35,3 cm Größe:

Abb. 10: Figurinenplan des Triadischen Balletts von Oskar Schlemmer

Als Figurinen bezeichnet man im Bühnenwesen "eine vom Theatermaler entworfene Kostümzeichnung" (Meyers Lexikon) oder "ein Modellbild für Theateraufführungen" (Brockhaus). Schlemmer meint damit von ihm entwickelte Kostümkörper, von denen er sagte, er ziele mit dieser Art der Darstellung auf eine erste "Demonstration raumplastischer Kostüme".

Auf der mittleren Reihe des Figurinenplans sind zwei mit Schreibmaschine geschriebene Aufkleber mit folgenden Inschriften angebracht:

1. Aufkleber:
"Triadisch", abgeleitet von Trias = Dreizahl, Dreiklang.
Es sind drei Tänzer (eine Tänzerin und zwei Tänzer, die
einzeln, zu zweien oder zu dreien tanzen), drei Haupt-
farben der Bühne: zitronengelb, weiß und schwarz; es
sind zusammen 12 Tänze in zusammen 18 Kostümen.
2. Aufkleber:
Das Ballett entstand z.T. schon vor 1914. Teile davon
wurden 1916 aufgeführt. Erstaufführung des ganzen Bal-
letts 1922 im Landestheater in Stuttgart. Darauf in
Weimar und Dresden. Später (mit Musik zu einer mecha-
nischen Orgel von Paul Hindemith) in Donaueschingen
und in einer Revue in Berlin.

In einem Brief vom 4.Oktober 1922 an Hans Hildebrandt schreibt Schlemmer: "Wesentlich ist mir der symphonische Charakter des Balletts derart, daß für die einzelnen Tänze musikalisch-symphonische Bezeichnungen gesetzt werden könnten, zum Beispiel der Eroica-Charakter des dritten Teils; der Scherzo-Charakter des ersten. Der zweite ist schwerer zu bestimmen. Jedenfalls: erstens der burleske, pittoreske, zweitens der seriöse, festliche, drittens der heldische, monumentale."

Freude am Gestalten, am Erfinden neuartiger Gebilde und am Spiel mit Materialien waren für Schlemmer Beweggrund für die Komposition seines Triadischen Balletts. Die Triaden demonstrieren nach seiner Auffassung die Verwirklichung des "raumplastischen Kostüms".

Schlemmers Formensprache zeigt eine große Affinität zur drechslerischen Formgebung. Seine offensichtliche Freude an der farblichen Gestaltung dieser Kunstfiguren legt dem Drechsler nahe, sie durch verschieden farbige Hölzer, aber ohne Zuhilfenahme von Farben, Lasuren oder Beizen, also ganz naturbelassen auszudrücken. Weiter unten gegebene Hinweise zur Handwerklichen Arbeit verdeutlichen dies. Zugleich wird dort an einem Beispiel gezeigt, dass von den nachfolgend abgebildeten, gedrechselten Figuren manches Stück erst durch Variation zu seiner den Drechsler befriedigenden Gestalt gefunden hat.

In der nachfolgenden Präsentation der einzelnen Figurinen verweist die jeweils angegebene Zahl auf die Zeilennummer in Schlemmers Figurinenplan, der ggf. nachfolgende Kleinbuchstabe a, b oder c auf die Position in der betreffenden Zeile.
So gebildete Bezeichner in runden Klammern () kennzeichnen die entsprechenden Drechselfiguren, während die Bezeichner in eckigen Klammern [] auf zugehörige Werkskizzen verweisen.

Jede der 12 Zeilen im dreiteiligen Figurinenplan repräsentiert einen Tanz, den Schlemmer nach Zahl der darin vorkommenden Tänzer als Eintanz, Zweitanz bzw. Dreitanz bezeichnet hat. Sie werden im Programm der Uraufführung vom 30. September 1922 im Kleinen Haus des Württembergischen Landestheaters so genannt. Diesem Programm sind auch die Angaben zur Musik für diese Tänze entnommen.

Die Kostümentwürfe für 12 Ballett-Tänze in drei Aufzügen unter Hinzunahme von Musiken sehr unterschiedlichen Charakters lassen erahnen, wie Oskar Schlemmer sein Triadisches Ballett als Gesamtkunstwerk konzipiert und realisiert hat.

Die erste, gelbe Reihe
- burlesk und pittoresk

Abb. 11: Die gelbe Bühne

 

Die Tänzer auf der gelben Bühne

1. Eintanz
Musik von Mario Tharenghi
Tänzerin mit quergestreiftem Rock und konkavem Dekolleté:

Werkskizze zu Figur 1 - Tänzerin Figur (1) - Tänzerin
[1] (1)

2. Zweitanz
Musik von Enrico Bossi
Tänzerin mit konvexem Dekolleté und Taucher

Werkskizze zu Figur 2a - Tänzerin Werkskizze zu Figur 2b - Taucher
[2a] [2b]
Werkskizze zu Figur 2a - Tänzerin Figur 2b - Taucher
(2a) (2b)
Tänzerin mit quer gestreiftem Rock
und konvexem Dekolleté
Der Taucher

3. Zweitanz
Musik von Enrico Bossi
Weißer Tänzer und weiße Tänzerin

Werkskizze zu Figur 3a - Weißer Tänzer Werkskizze zu Figur 3b - Weiße Tänzerin
[3a] [3b]
Figur 3a - Weißer Tänzer Figur 3b - Weiße Tänzerin
(3a) (3b)
Weißer Tänzer Weiße Tänzerin

4. Eintanz
Musik von Enrico Bossi
Figur mit Kugelarmen

Werkskizze zu Figur 4 - mit Kugelarmen Figur 4 - mit Kugelarmen
[4] (4)

5. Eintanz
Musik von Claude Debussy
Harlekin

Werkskizze zu Figur 5 - Harlekin Figur 5 - Harlekin, Version 2
[5] (5) - 2. Fassung

 

Die zweite, weiße (rosa) Reihe
- seriös und festlich

Abb. 12: Die weiße / rosa Bühne

Anders als in Schlemmers Figurinenplan angegeben, war bei der Uraufführung des Triadischen Balletts die Bühnenfarbe der zweiten Reihe nicht weiß sondern rosa.

 

Die Tänzer auf der weißen / rosa Bühne

6. Eintanz
Musik von Josef Haydn
Tänzerin mit plissiertem Rock:

Werkskizze zu Figur 6 - Tänzerin mit plissiertem Rock Figur 6 - Tänzerin mit plissiertem Rock
[6] (6)

 

7. Zweitanz
Musik von Wolfgang Amadeus Mozart
Figur mit Harnisch und Figur mit Tütenrock

Werkskizze zu Figur 7a - mit Harnisch Werkskizze zu Figur 7b - mit Tütenrock
[7a] [7b]
Figur 7a - mit Harnisch Figur 7b - mit Tütenrock
(7a) (7b)
Der Geharnischte Figur mit Tütenrock

8. Dreitanz
Musik von Wolfgang Amadeus Mozart
Figur mit gestreiften Arm-/Beinkleidern,
Tänzerin mit Kugelrock und Figur Türkisch

Werkskizze zu Figur 8a - mit gestreiften Arm-/Beinkleidern Werkskizze zu Figur 8b - mit Kugelrock Werkskizze zu Figur 8c - Türkisch
[8a] [8b] [8c]
Figur 8a - mit gestreiften Arm-/Beinkleidern Figur 8b - mit Kugelrock Figur 8c - Türkisch
(8a) (8b) (8c)
Figur mit gestreiften
Arm- und Beinkleidern
Tänzerin mit Kugelrock Figur Türkisch

 

Die dritte, schwarze Reihe
- heldisch und monumental

Abb. 13: Die schwarze Bühne

 

Die Tänzer auf der schwarzen Bühne

9. Eintanz
Musik von Josef Haydn
Tänzerin im Reifenrock

Werkskizze zu Figur 9 - Tänzerin im Reifenrock Figur 9 - Tänzerin im Reifenrock
[9] (9)

10. Zweitanz
Musik von Baldassare Galuppi
Scheibentänzer

Werkskizze zu Figur 10 - Scheibentänzer Figur 10 - Scheibentänzer 1 Figur 10 - Scheibentänzer 2
[10] (10a) (10b)

11. Dreitanz
Musik von Georg Friedrich Händel
Zwei Tänzer mit der Goldkugel und eine Drahtfigur

Werkskizze zu Figur 11a/c - Tänzer mit Goldkugel Werkskizze 1 zu Figur 11b - Drahtfigur  
[11a/c] [11b]  
Figur 11a - Tänzer mit Goldkugel 1 Figur 11b - Drahtfigur Figur 11c - Tänzer mit Goldkugel 2
(11a) (11b) (11c)
Tänzer mit Goldkugel 1 Drahtfigur Tänzer mit Goldkugel 2

12. Eintanz
Musik von Georg Friedrich Händel
Der Abstrakte

Werkskizze zu Figur 12 - Der Abstrakte
[12] (12)

Handwerkliche Details

Nicht jeder Kostümentwurf einer Figurine lässt sich drechslerisch 1:1 abbilden. Die Figurine des Harlekins (aus der ersten, gelben Bühne) mag ein Beispiel dafür sein, dass bei der Arbeit zunächst eine Lösung entstanden ist, die aber im Vergleich zum Entwurf nicht befriedigte. Daraufhin entstand eine zweite Lösung, die jetzt den Schluss der gelben Reihe bildet.

Harlekin:

Werkskizze zu Figur 5 - Harlekin Figur 5 - Harlekin, 1. Fassung Figur 5 - Harlekin, 2. Fassung
Werkskizze [5] Harlekin (5) - 1. Fassung Harlekin (5) - 2. Fassung

Die hier beispielhaft vorangesetzte Werkskizze verdeutlicht, dass dem Drechseln aller Figurinen die Anfertigung mindestens einer Werkzeichnung vorausgegangen ist, von der man die Proportionen und maßgenauen Details abnehmen kann. Für Drechsler sollte es als gute Gewohnheit gelten, für alle Gestaltungsaufgaben - auch für Schalen, Dosen oder dergleichen - vorher eine Entwurfskizze anzufertigen. Es ist nämlich leichter, ein unbefriedigendes Ergebnis auf dem Papier zu korrigieren als an einem misslungenen Werkstück Korrekturen vorzunehmen, die meist doch nicht zum gewünschten Ergebnis führen.

Am Beispiel von Schlemmers ‹Drahtfigur› lässt sich ein solches Vorgehen gut demonstrieren. Die Unverzichtbarkeit von Werkskizzen ergibt sich aus der geringen Größe aller Figurinen im Figurinenplan und aus ihrer jedenfalls in der Druckfassung sehr eingeschränkten Detailgenauigkeit, besonders bei den Grafiken der schwarzen Bühne. Figur 11b fällt dabei als besonders komplexes Gebilde auf. Die daraus entwickelte Werkzeichnung [11b-Prospekt] macht zwar die Proportionen und die Größe der geplanten Figur deutlich, die Form der Trägerfigur unter dem Drahtkostüm und die Anbringung der Drähte an der Figur selbst sind aus dieser Zeichnung aber nicht zu erkennen. Dafür bedarf es also einer weiteren Zeichnung, aus der diese Details dann erkennbar werden [11b-Korpus]:

Drahtfigur:

Werkskizze 11b-Korpus zu Figur 11b - Drahtfigur Werkskizze 11b-Prospekt zu Figur 11b - Drahtfigur Figur 11b - Drahtfigur
[11b - Korpus] [11b-Prospekt] (11b)
Werkskizze 1 Werkskizze 2 Ausführung

 

Wie erwähnt, bestand die Gestaltungsabsicht, in der gedrechselten Umsetzung der Figurinen ohne künstliche Farben auszukommen. Um zu verdeutlichen, wie die Illusion der Farbigkeit bei den Figuren allein mit den Naturfarben der Hölzer realisiert wurde, folgt die Beschreibung der Holzwahl - stellvertretend für alle Figuren - am Beispiel des Türken aus der weißen / rosa Reihe.

Figur 8c - Figur Türkisch
Objekt Holzart
Hut Kiefer, Nussbaum, Pflaume, Platane
Gesicht Platane
Arme Zeder
Tschinellen Kirsche
Oberkörper Platane, Pflaume, Nussbaum
Hüfte Eiche
Beine Zeder
Fuß Platane, Pflaume, Wenge
(8c)- Figur "Türkisch"  

Alle Figuren haben eine durchschnittliche Höhe von 180 bis 200 mm.

 

Noch eine Triade zum Schluss:
Tanz - Theater - Bühne

 

Abb. 14: Tänzer nach einer Aufführung des Triadischen Balletts

Über sein Triadisches Ballett schrieb Oskar Schlemmer 1925 an Otto Meyer-Amden:
"Der Erfolg des Balletts war rauschend - bis heute, weil es etwas Derartiges" [noch] nicht gab, "in der Erfindung nicht und nicht in der Präzision der Arbeit. Dabei allen gefallend, weil es eine Linie hielt, vom Konventionellen bis zum Abstrakten, es brachte vieles, und jedem etwas. Es ist so weit entfernt von dem Körpertanz der Seelentänzerinnen wie von dem immer entblößteren Dekorationskitsch der Revuen."

Im Aufsatz "Mensch und Kunstfigur" äußert er:
"Theater bezeichnet das eigentliche Wesen der Bühne: Verstellung, Verkleidung, Verwandlung."
Und in seinem Tagebuch findet sich unter dem 13. Juli 1925 der Eintrag:
"Bühne! Musik! Meine Leidenschaft! Aber auch: die Weite des Gebiets… Der Phantasie freie Bahn. Hier kann ich neu sein, abstrakt, alles… Hier deckt sich das Wollen mit dem mir Entsprechenden… Hier bin ich selbst und bin neu. Einziger auf dem Plan, ohne Konkurrenz…"

Abb. 15 - Oskar Schlemmer als ‹Türke› im triadischen Ballett - ist auf der Seite www.museoreinasofia.es leider nicht mehr vorhanden.

Auf dem Faltblatt der Ausstellung "Oskar Schlemmer - tanz theater bühne", die 1994 in Düsseldorf stattfand, ist ein Foto abgedruckt, auf dem Schlemmer selbst im Kostüm des Türken als Tänzer bei der Uraufführung des "Triadischen Balletts" zu sehen ist. Im Vorwort zum zugehörigen Ausstellungskatalog heißt es, es zeige "einen Schlemmer, der als Choreograph wie Akteur, als Tänzer wie als bildender Künstler dem Geschehen auf der Bühne als einer sinnstiftenden Einheit intensiv verbunden war".

Auch die hier beschriebene Drechselarbeit mag belegen, dass Oskar Schlemmers künstlerisches Schaffen lebendig geblieben ist und nichts von seiner inspirierenden Aussagekraft verloren hat.

Literaturhinweis:

Aus theaterwissenschftlicher Sicht behandelt ‹5› Babette Kraus"Oskar Schlemmer & die Bauhausbühne - Das Triadische Ballett" in einer Seminararbeit, die sie 1999 am Institut für Theaterwissenschafte der Universität München angefertigt hat.

Bildnachweise:

Abb. 1, Portraitfoto von Oskar Schlemmer - http://www.staatsgalerie.de
Abb. 2: Bauhaustreppe von Oskar Schlemmer - www.mshodahl.com/artcarp.html
Abb. 3: Foto Wohnhaus im Bauhausstil - www.pro-future-massivhaus.de/Massivhaus-Bilder/Bilder-Haeuser-gross/Haeuser-500-375/Haus_32.jpg
Abb. 4: Foto Gedeck im Bauhausstil - www.elpais.com/recorte/20100121elpepucul_11/XXLCO/Ies/20100121elpepucul_11.jpg
Abb. 5: Foto Sessel im Bauhausstil - http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/1/19/Bauhaus_Chair_Breuer.png/639px-Bauhaus_Chair_Breuer.png
Abb. 6: Ausstellungsprospekt "90 Jahre Bauhaus" (Thüringen 2009) - eigene Fotoreproduktion
Abb. 10: Figurinenplan zum Triadischen Ballett von O. Schlemmer - www.digischool.nl
Abb. 11-13: Figuren mit farbigem Hintergrund in Anlehnung an den Figurinenplan von O. Schlemmer - Fotomontage von Peter Denker
Abb. 14: Foto von einer Aufführung des Triadischen Balletts - http://img3.visualizeus.com


LINKS:
‹1› K. Rüdiger, " Oskar Schlemmer und die 'Bauhausfeste'": www.publicationes.de/verschiedenes/holzwelten/140-schlemmer-hommage.html - zurück zu ‹1› -
‹2› K. Rüdiger, " O. Schlemmer und 'Die Nachtigall' von I. Stravinsky ": www.publicationes.de/verschiedenes/holzwelten/142-nachtigall.html - zurück zu ‹2› -
‹3› K. Rüdiger, " - Oskar Schlemmer und sein 'Varieté'": www.publicationes.de/verschiedenes/holzwelten/143-schlemmer-variete.html - zurück zu ‹3› -
‹4› Vita Oskar Schlemmer : www.whoswho.de/templ/te_bio.php?PID=882&RID=1 - zurück zu ‹4› -
‹5› Babette Kraus, "Oskar Schlemmer & die Bauhausbühne - Das Triadische Ballett" (Seminararbeit): www.hausarbeiten.de/faecher/vorschau/14368.html - zurück zu ‹5› -


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