Gefahren der Prostata-TUR von Peter Denker

Über riskante Mängel bei Beratung, Operation und Nachsorge

Viele Männer leiden mit zunehmenden Alter unter Problemen, die durch Prostatawachstum hervorgerufen sind. Wenn die Vergrößerung durch einen niedrigen PSA-Wert und unauffällige Tastbefunde als gutartig gelten darf, empfehlen manche Urologen eine [1] transurethrale Resektion der Prostata, kurz "TURP" genannt. Darunter versteht man das Abtragen von Prostata-Gewebe mittels einer Elektroschlinge durch die Harnröhre (Urethra) hindurch. Diese Operation gilt als klassische Methode zur Behebung von Miktionsproblemen (erschwertes Wasserlassen), wenn diese durch gutartiges Prostatawachstum verursacht sind.

Risiken der TURP

Die Operation wird stationär durchgeführt und bedingt einen Klinikaufenthalt von mehreren Tagen. Die Operationsmethode führt in der Mehrzahl der Fälle zu einer retrograder Ejakulation (Samenerguss in die Harnblase) und leider in zahlreichen Fällen auch zu einer erheblichen Belastungs-Inkontinenz infolge einer Verletzung des Schließmuskels. Dieses Risiko ist umso größer, je gründlicher die Abtragung des Prostatagewebes vorgenommen wird. Die Verletzung des Schließmuskels bei der TURP kommt dabei besonders häufig im Bereich von "12 Uhr" vor, d.i. aus Sicht des Operateurs oben, also der Bereich, der sich bei der TURP von ihm am schwierigsten beobachten lässt.

Mehrere kundige Urologen konsultieren

Bevor man sich daher zu einer TURP entschließt, sollte man sich nicht nur von einem "erfahrenen", älteren Urologen beraten lassen. Wenn diese Methode als "bewährt" und "relativ sicher" nachdrücklich empfohlen wird, sollte dringend noch ein anderer Urologe konsultiert werden, der alternative operative [2] Methoden mittels Lasergeräten (Greenlight-/ Holmium- oder Evolve-Laser) wenigstens kennt und abwägend in Betracht zieht. Als derzeit besonders vorteilhaftes Gerät darf der [3] Evolve-Laser der Firma biolitec gelten. Es kommt inzwischen in mehreren Beckenbodenzentren großer Städte zum Einsatz. Die Anwendung kann ambulant erfolgen und ist in jeder Weise schonender als die TURP-Methode. Auch von den Krankenkassen ist diese Form der Behandlung mittlerweile anerkannt.

Ärztlicher Eigennutz vor Patientenwohl?

Besonders vorsichtig sollte man gegenüber den Empfehlungen eines Urologen sein, wenn er einen Operateur und eine Klinik nicht nur empfiehlt, sondern einem sogleich gedruckte Informationen über die empfohlene Adresse andient und sich anbietet, bei der Terminierung für die Operation behilflich zu sein. Heißt es dann noch, er stehe mit dem Operateur in ständigem Kontakt über seine Patienten, ist Skepsis angebracht, ob dabei das Patienteninteresse dominiert. Der Patient sollte sich bewusst sein, dass Äzte von Kliniken oder Klinikärzten für die Vermittlung von Patienten eine Vergütung bekommen können. Auch unter diesem Gesichtspunkt ist die Konsultation mehrerer Ärzte vor einer Operation sehr empfehlenswert.

Flowmessung reicht nicht als Erfolgsindikator

Nach einer TURP wird deren Erfolg durch Kontrollmessungen mit dem "Flowmeter" festgestellt. Ergibt sich, dass das von der Blase gehaltene Volumen groß ist (z. B. über ½ Liter) und die Entleerung schnell erfolgt (in z. B. 10 bis 20 Sekunden), dann gilt die Operation als gelungen. Bei Inkontinenz werden dann Geduld, Harnstrahlunterbrechungsübungen und [4] Beckenbodentraining angeraten. Erst wenn diese anhaltend nicht zum Erfolg führen, ist ein Urologe auf ausdrückliches Verlangen bereit, der Ursache mittels Blasenspiegelung auf den Grund zu gehen. Standard ist diese Form der Kontrolluntersuchung nach TURP nicht. Sie kommt daher unter Umständen erst nach einem langen Leidensweg zur Anwendung.

Beckenbodengymnastik hilft nicht bei Schließmuskelverletzung

Es kommt leider vor, dass die Vergeblichkeit der Übungen zur Wiedererlangung der Kontinenz erst dann eingeräumt wird, wenn eine Schließmuskelverletzung diagnostiziert ist. In einem solchen Fall muss der Patient erkennen, dass all seine eigentherapeutischen Anstrengungen sinnlos und vergeblich waren. Wer also nach TURP feststellt, dass trotz intensiven Beckenbodentrainings die Belastungsinkontinenz nach einigen Wochen immer noch anhält, sollte darauf drängen, dass eine Blasenspiegelung durchgeführt wird, um deren Ursache zu diagnostizieren.

Therapiemöglichkeiten bei Schließmuskelverletzung

Wenn sich nun die Schließmuskelverletzung als Ursache der anhaltenden Inkontinenz herausgestellt hat, ist das Problem zwar erkannt, aber noch nicht behoben. Manche Urologen empfehlen dazu Beckenbodenstimulation oder eine „Unterspritzung“ des Schließmuskels zu dessen mechanischer Verformung. Deren Wirksamkeit hat sich jedoch in vielen Fällen als unbefriedigend herausgestellt. Als modern und aussichtsreich wird die Implantation eines [5] Advance-Bandes - auch Transobturatorband genannt - angesehen. Diese erfordert einen erneuten mehrtägigen Klinikaufenthalt und einen erfahrenen Operateur mit ruhiger Hand. Der Patient muss nach dieser Operation für etwa sechs Wochen noch einmal die gleichen Verhaltensregeln beachten wie nach der TURP. Die Heilungswahrscheinlichkeit liegt dann bei 80 bis 90 Prozent. Für die Kosten muss erneut die Krankenkasse in Anspruch genommen werden, wenn der TURP-Operateur sich den Haftungsausschluss für das Behandlungsrisiko seiner Methode vom Patienten hat unterschreiben lassen.

Persönlicher Rat nach leidvoller Erfahrung

Es wäre gewiss der Qualität unseres Gesundheitswesens und dem Wohl von Prostatapatienten dienlich, wenn sich die Fragen, die sich nach solchen Erfahrungen den Betroffenen stellen, auch dessen Verantwortungsträger stellten. Einstweilen kann man den Patienten nur raten, sich vor jeder Operation über deren Risiken und Alternativen umfassend zu informieren und mehrere Fachärzte zu konsultieren.


Bitte beachten Sie, dass dieser Artikel fachlichen Rat - zum Beispiel durch einen Arzt - nicht ersetzen kann.


LINKS:
[1] extern Transurethrale Resektion der Prostata (TURP): www.urologielehrbuch.de/turp.html - zurück zu [1] -
[2] extern Prostata-Operationsmethoden mittels Lasergeräten: www.urologielehrbuch.de/ktp_greenlight_laser_prostata.html - zurück zu [2] -
[3] extern Evolve-Laser: www.biolitec.de/161.html?&L=1 - zurück zu [3] -
[4] Essay Beckenbodentraining - auch für Männer: www.publicationes.de/verschiedenes/gesundheit/86-beckenboden-training.html - zurück zu [4] -
[5] extern Advance-Band: www.krebsforum.at/forum/index.php?topic=763.0 - zurück zu [5] -


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