Laptop-Überhitzung von Peter Denker

Wenn einem Notebook die Luft ausgeht

 

Wer ein Laptop zwei Jahre oder länger besitzt, sollte sich hüten, dass er es nicht auf ähnliche Weise einbüßt wie der Autor dieses Artikel sein teures Notebook ‚S1 Pro' des Herstellers LG Electronics. Der nachfolgende Bericht zeigt auf, wie man sich und sein Notebook vor Überhitzungsschäden bewahren kann und welche Überlegungen vor dem Kauf anzuraten sind, um Geld zu sparen.

Schreckliche Erfahrungen

Ein Schreck, wenn am Tage 16 nach Ablauf der Dreijahresgarantie das teure Stück nicht mehr starten kann und der Händler lapidar feststellt, die Hauptplatine müsse ersetzt werden. Entsetzlich, wenn dann noch der Kulanzantrag vom Hersteller abgelehnt und die Reparatur auf 880 Euro veranschlagt wird. Unbegreiflich die angebliche Begründung des Herstellers, er werde die Produktion von Notebooks bald einstellen. Das hat doch mit dem Kulanzbegehren gar nichts zu tun. Kalkulatorisch vernünftig, statt der teuren Reparatur ein neues Notebook zu erwerben. Empörend, dass der Händler das unreparierte Notebook nur gegen Zahlung einer Bearbeitungsgebühr von 50 Euro herausgibt. Eine zeitraubende Gedulds- und Geschicklichkeitsübung, das irreparable Gerät in alle seine Teile zu zerlegen. Schließlich Zorn, wenn der dabei zutage getretene Befund augenscheinlich nachweist: Der Hersteller hat das Lüftungssystem so konstruiert, dass die Überhitzung durch Mangelbelüftung wegen Staubansammlung unvermeidlich war.

Foto-Dokumentation

Abb. 1 - Blick unter die Tastatur
Abb. 1 zeigt einen Blick auf das Innere des Notebooks mit herausgenommener Tastatur. Deutlich erkennbar sind ein Teil der Kupferbahnen zur Wärmeableitung von den aktiven Bauteilen der Hauptplatine sowie der davon umschlossene Lüfter.

Abb. 2 - Blick auf das Wärmeableitungssystem
Abb. 2 zeigt den Blick aus gleicher Richtung nach Demontage der Abdeckung. Der Verlauf der Kupferbahnen ist nun vollständig sichtbar. Links und oberhalb des Lüfters befindet sich je ein Gitter aus parallelen Lüftungsschlitzen, durch welche die Wärme an die durchströmende Luft abgegeben werden soll.

Abb. 3 - Lüfter von unten
Abb. 3 zeigt den Teil der Kupferbahn zur Kühlung der CPU mit Lüfter nach Demontage von der Unterseite.

Abb. 4 - Staubfilz-Ablagerungen
Abb. 4 dokumentiert die zu etwa 2 mm Filz verdickten Staubschichten, die sich an den beiden Lüftungsgittern gebildet hatten und dort erst nach vollständiger Demontage der Lüftung gefunden und entnommen werden konnten.

Hat der Hersteller den "Hitzetod" des Notebooks vorprogrammiert?

Es ist unvermeidlich, das sich die Lüftungsschlitze im Laufe der Zeit mit Staub zusetzen, wenn ein Notebook unter normalen Umständen verwendet wird. Aber es ist ein Mangel an konstruktiver Weitsicht oder Arglist, diese Lüftungsschlitze so anzuordnen, dass sie nur bei Totaldemontage zugänglich werden. In den Benutzungshinweisen findet sich keinerlei Hinweis auf diesen Umstand noch ein Hinweis auf Maßnahmen, mit denen diesem Mangel ohne Einschränkung der Nutzbarkeit abzuhelfen wäre. Der Hersteller muss sich den Vorwurf gefallen lassen, dass er den Totalschaden an dem Notebook durch seine Fehlkonstruktion und Desinformation verursacht, mindestens aber billigend in Kauf genommen hat. Unser Rechtssystem muss sich vorwerfen lassen, dass eine Schadenersatzklage für den Kläger ein unkalkulierbares Risiko darstellt. Der Autor hat sich mit beidem abgefunden. Teures Lehrgeld ist bezahlt, aber Lehrgeld wofür?

Staub rechtzeitig beseitigen

Prozessoren erzeugen umso mehr Wärme, je leistungsstärker sie sind. In jedem Notebook ist wegen der dichten Anordnung aller Bauteile die Ableitung der Wärme durch Lüftung ein erhebliches Problem. Meist muss das ein winziger Lüfter besorgen. Dass es nicht ausreicht, die Wärme durch Kupferbahnen dorthin zu leiten, wo der Lüfter bläst, zeigt das beschriebene Beispiel. Darum ist wichtig, die Frage schon vor dem Kauf zu klären, ob das Lüftungssystem so konstruiert ist, dass es auch seine Reinigung von Staub ermöglicht. Wenn die Reinigung nicht vom Anwender selbst durchführbar ist, müsste sie zu erträglichen Kosten vom Service angeboten werden. Nach den Erfahrungen des Autors empfiehlt es sich, die Reinigung alle zwei Jahre durchführen zu lassen.

Lüftung verbessern und Staubablagerung mindern

Zu Laptops werden im Handel Zusatzkühler angeboten wie z.B. von AKASA der Typ AK-NBC-02B, der sich für Notebooks bis 17 Zoll eignet. Über USB und einen Schalter werden zwei Lüfter der Größe 70 x 70 mm² mit Spannung versorgt. Mit zwei USB-Buchsen wird der zur Stromversorgung benötigte USB-Anschluss wieder zur Verfügung gestellt. Solche Geräte sorgen zwar für deutlich mehr Luft, aber leider auch für deutlich mehr Staubablagerung im Notebook-Kühlsystem. Die Suche nach einem entsprechenden Gerät mit Filterzusatz hat bisher nicht zum Erfolg geführt. Folgende Überlegungen können beim o.a. Lüfterpult womöglich Abhilfe schaffen: Entweder baut man im 4 mm weiten Zwischenraum zwischen den Lufteintrittsöffnungen und den Lüftern einen dünnen Luftfilter z.B. aus Staubsauger-Zubehör ein. Oder man ersetzt die beiden Lüfter durch solche mit eingebauten Filtern wie z.B. Xilence xp-ff80.b . In jedem Fall müsste man sich dabei über den Hinweis des Herstellers hinwegsetzen, der vor dem Öffnen des Bodendeckels durch ungeübte Personen warnt. In jedem Fall sollten die Filter dann alle zwei Jahre gewechselt werden. So lässt sich die Ablagerung von Staub im internen Kühlsystem des Notebooks deutlich reduzieren und dessen "Lebenserwartung" beträchtlich steigern.

Werbeversprechen mit Wirtschaftlichkeitsüberlegungen widerstehen!

Anders als bei einem Stand-PC, der umso länger einwandfrei läuft, je seltener man ihn ausschaltet, sollte ein Notebook nur eingeschaltet sein, solange man tatsächlich damit arbeitet. Denn in längeren Arbeitspausen sammelt es nur Staub. Wer meint, ein Notebook sei eine Investition für einen langen Zeitraum, irrt. Wer ein luxuriös ausgestattetes Notebook in der Erwartung kauft, es besonders lange nutzen zu können, bezahlt diesen Irrtum teuer. Die weitergehende technische Entwicklung und die Staubanfälligkeit sind gute Gründe, für die Nutzung einen Zeitraum von nur einigen Jahren anzunehmen.

Man sollte sich durch die werbewirksame Verheißung, ein Notebook sei so gut ausgestattet, dass es einen Stand-PC ersetzen könne, nicht dazu verleiten lassen, das auch zu tun. Denn allemal ist ein Stand-PC langlebiger, pflegeleichter und wirtschaftlicher als jedes Notebook. Darum sollte ein Laptop nur die Eigenschaften haben, die für seinen mobilen Einsatz unerlässlich sind. Frühe Sparsamkeit schützt vor später Reue!

Nachtrag: Reaktion des Herstellers

Die nur über ein Kontaktformular erreichbare Firma LG Electronics GmbH hat der Autor um Stellungnahme zu obigem Artikel gebeten, denn die "festgestellten Konstruktionsmängel des LG S1 Pro" sollten dem Hersteller ebenso zu denken geben wie sein "unbefriedigendes Kulanzgebaren". Die lapidare Antwort vom LG Electronics Service Team (ohne Namensnennung eines Verantwortlichen) lautet: "Bitte haben Sie Verständnis, wenn LG-Electronics zu mehr oder weniger qualifizierten Einträgen in irgendwelchen Foren generell keine Stellung nimmt." Der Autor ist sich nun ganz sicher, dass es ein schlimmer Fehler war, dieses Notebook zu erwerben.

 


Hinweis:

In den Abbildungen lgs1-05.jpg bis lgs1-09.jpg im Picasa-Webalbum "Illustrationen" werden nicht mehr benötigte Teile des Notebooks LG S1 Pro gezeigt, die gegen Gebot vom Autor (erreichbar über das Kontakt-Formular) bezogen werden können.


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