Schenken - z.B. zu Weihnachten von Peter Denker

Freude schenken - eine Kunst!

Immer wieder möchte man jemandem etwas möglichst Passendes schenken. Oder man fühlt sich dazu gedrängt, sei es durch Konvention oder durch die Erwartungshaltung des zu Beschenkenden. Schwierig ist es besonders dann, wenn man zeitgleich ganz viele Menschen beschenken soll oder möchte, z.B. zu Weihnachten. Hier ein paar Gedanken dazu.

Das Weihnachtsgeschäft

Jahr für Jahr findet eine ungeheure Geldbewegung zu Weihnachten statt. Durchweg sind die Begünstigten die Geschäftsleute und die Jugend. Die ältere Generation ist durchweg die gebende Seite. Manchem kommt es vor wie eine Art Besteuerung durch Konvention statt durch Gesetz. Wie im Wirtschaftsleben muss das diesjährige Geschenk das vorjährige an Wert möglichst überbieten, eine Schraube ohne Ende. So betrachtet, kann einem vor Weihnachten richtig bange werden.

Weihnachten: Fest der Freude

Zu Weihnachten Geschenke zu machen, hat für gläubige Christen seinen Grund in der Freude über den [1] Geburtstag von Jesus Christus. Für andere ist Weihachten ein Lichterfest, mit dem der Freude Ausdruck gegeben wird, dass die Tage wieder länger werden. Wieder andere schicken sich in die Gewohnheit, die üblichen Geschenkerwartungen mehr oder weniger vergnüglich abzuarbeiten. Die Freude ist jedenfalls ein guter Grund, sie in Form von Geschenken zu verbreiten und zu verstärken.

Beschenken: Wen und womit?

Wen gilt es in diesem Jahr wieder zu beschenken? Was kann man sich dazu einfallen lassen, ohne sich zu wiederholen? Was ist bezahlbar und wird nicht einfach beiseite gestellt? Bisweilen hat man eine Idee, was man dem Anderen zudenken möchte, und ahnt, dass es ihm nicht gefallen könnte. Wie kann man die [2] Balance herstellen, um sich nicht zu verleugnen und den Beschenkten doch zu erfreuen? Und wie lässt sich erreichen, dass der Austausch von Geschenken dem Schenkenden und dem Beschenkten Freude macht?

Geld oder Gutschein, Schrankfüller oder Wanderpokale?

Ob es Ihnen und dem Beschenkten wirklich gefällt, den Warenwert-Transfer über einen Geldschein oder über einen Gutschein so unpersönlich abzuwickeln? Ist die Aussage "Du sollst dir damit einen Wunsch erfüllen können" nicht manchmal einfach nur bequem? Auch der Gutschein für ein noch nicht fertig gewordenes Geschenk löst meist eher ein mitleidiges als ein frohes Lächeln aus.
Junge Menschen sind in der Sammelphase: Viele Dinge finden ihr Interesse, vom Spielzeug angefangen bis zu Ausstattungsgegenständen der Wohnung. Anders bei der älteren Generation: Bei den Senioren hat sich meist so viel angesammelt, dass sie für Sachgeschenke weder Bedarf noch Platz haben. Beide Gruppen sind gelegentlich versucht, sich von Dingen zu trennen, an denen ihr Herz nicht mehr hängt. Sie schenken sie weiter. Aber macht das die damit Beschenkten froh?

Tiere als Geschenk?

Pflanzen und Tiere sollte man nur Menschen schenken, von denen man sicher ist, dass sie sich gern darum kümmern möchten. Sehr oft überdauert die Freude am geschenkten Tier Weihnachten nur kurze Zeit. Sobald das Tier als lästige Zumutung empfunden wird, landet es im Tierheim. Vorsicht also! Wenn der zu Beschenkende noch keine Tiererfahrung hat, könnte man ihm zunächst die Patenschaft über ein dort versorgtes Tier spendieren.

Geschenkideen sammeln

Um zu schenken, was Gemütswert hat, muss man Zeit aufwenden. Sich aufschreiben, was man früher schon geschenkt hat, ist nützlich, um sich nicht zu wiederholen und um sich die Wünsche des zu Beschenkenden zu vergegenwärtigen. Ihn nach seinen Wünschen fragen ist eine Möglichkeit, aber schöner ist, wenn man durch Beobachtung merkt, worüber er sich freuen würde. Um solche Ideen nicht zu vergessen, empfiehlt es sich, auch sie zu notieren. Damit man solche Notizen sicher wiederfindet und ergänzen kann, sollte man sie an einem bestimmten Platz aufbewahren.

Zeit als Geschenk

Zeit kann ein wundervolles Geschenk sein: Ein Besuch, eine Einladung oder eine gemeinsame Unternehmung (Ausflug, Besuch einer Ausstellung, Kino / Theater / Konzert / Oper / Musical, Essen, Einkaufsbummel). Und die Zeit und Ideen, die man für einen Brief, ein Gedicht, ein Musikstück oder ein Bild aufgewandt hat, geht dem zu Beschenkenden mehr zu Herzen als manches Sachgeschenk. Wem zum Beispiel wollten Sie nicht längst endlich wieder einmal geschrieben haben? Weihnachten wäre doch ein wundervoller Anlass, es zu tun, nicht wahr?

Wichteln

Wer eine große Familie hat oder in einer anderen größeren Gemeinschaft mit Geschenken Freude stiften möchte, kennt die Problematik, alle zu beschenken. Zeit, Geld und Ideen sind bei gutem Willen doch irgendwo begrenzt. Und dass jeder jeden beschenkt, ist leicht vermeidbar, indem man in der Runde mit etwa 4 bis 6 Wochen Vorlauf vereinbart, statt dessen zu wichteln: Soviel Teilnehmer die Runde haben wird, so viele Lose mit den Namen der Teilnehmer kommen zur Auslosung. Zieht jemand den eigenen Namen, werden einige Lose eingesammelt und neu gezogen. Die Losinhaber suchen für denjenigen, dessen Namen sie gezogen haben, nun ein Geschenk aus, für dessen materiellen Wert zuvor eine Obergrenze in der Gruppe festgelegt worden ist. Alle Geschenke werden beim Gastgeber gesammelt, zum Beispiel unter einem Tuch oder in einem Korb hinterlegt, so dass der Schenkende (als Wichtel, das heißt kleiner Wicht) dem Beschenkten verborgen bleibt. Er kann ihn vielleicht erraten. Alle schauen zu, wie jeder Beschenkte einer nach dem anderen sein Geschenk öffnet. So ist das [3] Wichteln eine Form des Schenkens und Beschenktwerdens, das der ganzen Runde Freude macht ohne den Einzelnen zu überfordern.

Beispiel für ein ganz besonders schönes Geschenk

Eine gut 10jährige Waldorfschülerin beschenkte ihren Großvater zum 1. Advent beim Wichteln mit einem Adventkalender ganz besonderer Art: Ein Weidenruten-Ring, an dem mit Fäden 24 handgefaltene Papierschachteln aufgehängt waren. Deren jede enthielt in Seidenpapier eingehüllt eine kleine Kerze mit je unterschiedlichen Verzierungen, Mustern oder Figuren aus Knetwachs. Als Krönung des Ganzen befand sich im Päckchen für den Heilig Abend eine Miniatur-Krippe mit der Heiligen Familie und einem Verküdigungsengel.

Bianca Faßbender' Heilige Familie' - Knetwachsminiatur, Foto: Peter J. Reichard
Bianca Faßbender 'Heilige Familie' - Knetwachsminiatur,
Foto: Peter J. Reichard

Eine Foto-Dokumentation aller Figuren zeigt das [4] Picasa-Webalbum des so Beschenkten. Einen schöneren Erweis für die Liebe der Enkelin zu ihrem Großvater kann man sich wohl kaum vorstellen. Wieviel Zeit, Einfallsreichtum, Geschick und Geduld hat sie dafür aufgebracht!

Wert des Geschenks

Aus seinem materiellen Wert bestimmt sich der Wert eines Geschenkes offensichtlich nicht, sondern aus der Einfühlsamkeit, die der Schenkende den damit Beschenkten spüren lässt. Geschenke sind Zeichen der Liebe. Es wäre schade um beide, wenn eines zur Pflichtübung verkäme.


LINKS:
[1] Essay Bedeutung von Weihnachten: www.publicationes.de/wissen/christliche-oekumene/105-weihnachten.html - zurück zu [1] -
[2] Essay Balance suchen: www.publicationes.de/bildung/kompetenzentwicklung/54-balance-suchen.html - zurück zu [2] -
[3] extern Wichteln - eine Beschreibung: www.wichteln.de/index.php
[4] extern Kerzen-Adventkalender: http://picasaweb.google.de/Peter.J.Reichard/KerzenAdventkalender#


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