Klassenarbeiten und Klausuren von Peter Denker

Über Gesichtspunkte der Erstellung, Korrektur und Bewertung

Fragt man Lehrer*), was das schlimmste an ihrem Beruf sei, antworten viele: "Die Klausuren"*). Fragt man Schüler*), geben viele dieselbe Antwort. In diesem Aufsatz werden die Fragen behandelt, welchen Zweck Klausuren haben und welche Anforderungen sich daraus hinsichtlich Aufgabenstellung, Korrektur und Besprechung ergeben. Damit wird klar, wie Lehrer Ärgernisse vermeiden können und welche Erwartungen Schüler und Eltern diesbezüglich haben dürfen.

Zweck und Bedeutung von Klausuren

Die schriftliche Leistungskontrolle umfasst im Kern Lerninhalte eines bestimmten Unterrichtsabschnitts, in der Regel beginnend mit dem aktuellen Schulhalbjahr oder Kursabschnitt bzw. dem Zeitpunkt der vorigen Klausur. Selbstverständlich sind dabei auch zuvor vermittelte grundlegende Methoden und Kenntnisse anzuwenden. Die gestellten Aufgaben sollen Schülern Gelegenheit bieten, ihre Kenntnisse und Fertigkeiten konkret und schriftlich unter Beweis zu stellen und fortzuentwickeln.

Gewichtung von Klausurnoten

Die Bewertung der schriftlichen Leistung ist naturgemäß präziser und objektiver als die von mündlichen Beiträgen zum Unterricht. Ihr kann daher auch für die Zeugnis-Notengebung ein etwas stärkeres Gewicht zukommen, etwa indem bei Zwischennoten die schriftliche den Ausschlag geben kann. Klausuren sind also für die Zeugnisnote etwas mehr als "die halbe Miete".

Bedingungen, denen Klausuren genügen sollen

Die Aufgabenstellung muss zu den Lernzielen des Unterrichts in nachvollziehbarer Beziehung stehen. Die Formulierung der Arbeitsaufträge muss präzise und verständlich und dem Entwicklungsstand der Schüler angemessen sein. Ähnliche Formulierungen müssen auch im Unterricht verwendet und ähnliche Aufgabenstellungen oder Aufgaben mit auch inhaltlich vergleichbaren Anforderungen im Unterricht behandelt und geübt worden sein. Der Schwerpunkt der Leistungsanforderungen muss im reproduktiven und reorganisierenden Anwenden von Lerninhalten und gelernten Verfahren liegen. Erst mit zunehmender Abstraktionsfähigkeit der Schüler darf jeweils ein relativ kleiner Anteil der Aufgabenstellung auch problemlösendes Denken oder Transfer fordern.

Der Umfang der Aufgabenstellung und des gegebenenfalls zur Bearbeitung hinzugegebenen Materials müssen sich in der vorgegebenen Zeit von der Mehrzahl der Schüler auch tatsächlich bearbeiten lassen. Das möglichst aktuelle Arbeits-Material muss alle nötigen Informationen gut erkennbar und farbtreu, aber keine für die Arbeit nicht erforderlichen Textpassagen oder Abbildungen enthalten. Textzeilen und mehrere Abbildungen sind zu nummerieren, um die Bezugnahme darauf zu vereinfachen. Querverweise von der Aufgabenstellung zum Material müssen fehlerfrei sein.

Mathematisch-naturwissenschaftliche und informatische Aufgaben verlangen ganz besondere Sorgfalt hinsichtlich ihrer Lösbarkeit. Wenn kaum individuell unterschiedliche Lösungswege zu erwarten sind und Sitznachbarn bei der Klausur nahe beieinander sitzen, sollten für die Klausur zwei Ausprägungen (Gruppen) entworfen werden, die sich etwa durch die Reihenfolge der Aufgaben und Parameterwerte unterscheiden, um das Abschreiben unter Sitznachbarn zu erschweren.

Der Lehrer ist gut beraten, für seinen Klausurentwurf eine Musterlösung mit laufender Stoppuhr zu erstellen und seinen Schülern mindestens die doppelte Zeit einzuräumen, die er selbst dafür benötigt, und seinen Entwurf nötigenfalls entsprechend zu modifizieren. Auch die kritische Selbstkontrolle der Formulierungen hinsichtlich Verständlichkeit und Korrektheit ist unabdingbar. Auswahlaufgaben sind nur zulässig, wenn für die Auswahl ein angemessener Zeitrahmen neben der Bearbeitungszeit zur Verfügung steht.

Anforderungen an die Korrektur und Notengebung

Die sorgfältige Fehler-Korrektur des Lehrers soll dem Schüler die Art und Schwere des betreffenden Fehlers erkennbar machen und Verbesserungshinweise geben. Der Schüler soll aus seinen Fehlern lernen und erkennen können, welche Anforderungen er schon gut erfüllt. Die Bewertung der Klausur soll dementsprechend die Vorzüge und Mängel der Leistung benennen und die erteilte Note durch Vergleich der Leistung mit den Anforderungen nachvollziehbar begründen. Zur Anwendung gelangte fachspezifische Beurteilungskriterien sind dabei transparent zu machen. Wird ein Punktsystem zur Bewertung herangezogen, ist die Kontrolle der Punktsumme dringend angeraten; denn wenn sich diese Beurteilungsgrundlage als fehlerhaft erweist, ist nicht nur die Sorgfaltspflicht schlecht erfüllt und das Vertrauen beschädigt, sondern die Note auch leicht angreifbar.

Zur Notengebung enthalten die Richtlinien und Lehrpläne der Fächer verbindliche Hinweise, die der Lehrer im Hinblick auf seinen Unterricht und dessen Anforderungen zu Beginn den Schülern (und, etwa auf einem Elternabend oder in Form eines Merkblatts, auch den Eltern) erläutern sollte. Transparenz und Klarheit bieten die beste Gewähr zur Vermeidung von Missverständnissen und daraus resultierendem Ärger. Natürlich geht mit der Offenlegung die Selbstverpflichtung einher, dementsprechend zu verfahren. Das damit aufgebaute Vertrauen aber zahlt sich bestimmt aus.

Als besonders kritisch gilt die Entscheidung, ob eine Klausur den Anforderungen noch genügt oder nicht. Der Lehrer ist gut beraten, seine diesbezügliche Entscheidung besonders ausführlich abzuwägen und zu begründen.

Rückgabe, Besprechung und Berichtigung

Die Korrektur soll möglichst zeitnah durchgeführt werden, damit die Arbeit auch möglichst bald zurückgegeben werden kann. Eine Korrekturzeit bis zu einer Woche darf als normal, zwei Wochen dürfen als noch tolerabel gelten. Längere Zeitspannen sind nur ausnahmsweise hinzunehmen und bedürfen einer nachvollziehbaren Erklärung. Die Schüler müssen nämlich möglichst bald die Gelegenheit bekommen, aus ihren Fehlern zu lernen, um sie in der nächsten Klausur zu vermeiden. Klausuren erst kurz vor der nächsten Arbeit zurückzugegeben, ist sachlich und rechtlich inakzeptabel.

Zur Rückgabe der Klausur gehört deren Besprechung, am besten vor der Aushändigung. Die Besprechung soll besonders gelungene Lösungsteile vorstellen und typische Fehler als solche erkennbar machen, ohne dabei einzelne Schüler bloßzustellen. Im Falle von Klausuren mit zwei parallelen Gruppen empfiehlt sich die Besprechung einer dritten Variante mit Musterlösung, damit Berichtigungen nicht durch Abschrift sondern in Analogie zur Musterlösung erstellt werden. Neben einer bloßen Fehlerberichtigung kann auch eine ausführliche Fehleranalyse aufgegeben werden. Gegebenenfalls hätten Musterbeispiele dazu Gegenstand der Besprechung zu sein.

Die Schüler sollen nach der Besprechung in der Regel eine Berichtigung und/oder Fehleranalyse zu ihrer Klausur erstellen können, eventuell sogar eine berichtigte Neuanfertigung. Deren Kontrolle kann durch den Lehrer stichprobenartig erfolgen, um den Arbeitsaufwand für ihn in erträglichen Grenzen zu halten.

Hinweis

In einem weiteren Essay wird auf die Frage eingegangen, welche Möglichkeiten Schüler bzw. Eltern haben, [1] Ärgernisse im Zusammenhang mit Klausuren zu vermeiden bzw. zu beheben. Ein anderer Aufsatz behandelt den tröstenden Umgang mit einem mit [2] Schulfrust heimkehrenden Schüler, ein dritter Möglichkeiten, auf schulische Minderleistungen zu reagieren, um den [3] Schulerfolg zu sichern.


*) Zur sprachlichen Vereinfachung wird in diesem Essay "Lehrer" anstelle von "Lehrerin oder Lehrer", "Schüler" anstelle von "Schülerin oder Schüler" sowie "Klausur" anstelle von "Klassenarbeit oder Klausur" verwendet.- Zurück zum Anfang -


LINKS:
[1] Essay Ärger mit Klassenarbeiten oder Klausuren: www.publicationes.de/bildung/schultipps/79-klausur-aerger.html -
[2] Essay Schulfrust: www.publicationes.de/bildung/schultipps/66-schulfrust.html -
[3] Essay Schulerfolg sichern: www.publicationes.de/bildung/schultipps/67-schulerfolg-sichern.html -


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