Schulkleidung von Peter Denker

Welche Kleidung in der Schule als angemessen gelten kann

Mit zunehmendem Alter legen Schülerinnen und Schülern immer mehr Wert darauf, sich modisch zu kleiden und Markenkleidung zu tragen. Dieser Wunsch wird umso bedrängender, je mehr Mitschüler ihn ausleben und je hemmungsloser sie das tun. Darin möchten ihnen dann andere nicht nachstehen. Wie kann man aus diesem Gruppenzwang herauskommen?

Elternverantwortung

Solange die Schulkinder nicht volljährig sind, bezahlen die Eltern nicht nur die Bekleidung der Kinder, sondern sie bestimmen auch, welche Kleidung zu welchem Zweck getragen wird. Dabei bemühen sich selbstverständlich fast alle Eltern, schon beim Kauf die kindlichen Wünsche und die eigenen Vorstellungen und Möglichkeiten [1] auszubalancieren. Aber ein weiterer Gesichtspunkt ist wichtig: Wie wirkt das Kleidungsstück auf andere Menschen? Kann es Neid erzeugen? Beeinträchtigt die modische Gefälligkeit seine Zweckmäßigkeit?

Schlechte Beispiele

(Nach-)Lässigkeit bei Jungen: Hosen, deren Schritt knietief sitzt, beeinträchtigen das Laufen und sehen lächerlich unproportioniert aus. Ausgefranste Hosenbeine sind nicht heil, sondern wirken ungepflegt. T-Shirts mit aufdringlichen Grafiken können Ablehnung hervorrufen. Zu lange getragene oder schmutzige Wäsche wirkt abstoßend.
Kesser Sexy-Look bei Mädchen: Je mehr Bein, Bauch oder Brust von Kleidung unbedeckt bleibt, desto auffälliger und provozierender wirkt das in der Schule auf Mitschüler und Lehrer. Entsprechendes gilt, wenn sich die Form der Brust deutlich abzeichnet, weil z.B. ein hautenges Oberteil ohne BH getragen wird. Mit einem tiefen Dekolletee verhält es sich ebenso. Ketten, Armreifen und Ringe sind z.B. bei Sport und Spiel gefährlich und wecken Neid.

Schulische Mitverantwortung

Es ist Teil des Erziehungsauftrags von Schule, dass sie Anlässen für Neidempfindungen, Unschicklichkeit, Unzweckmäßigkeit oder Provokation durch [2] Bewusstmachung bei Schülern und Eltern entgegenzuwirken versucht. Aber nicht alle Schüler und Eltern sind bereit, das zu akzeptieren. Weil Kleidung ihnen Teil und Ausdruck ihrer individuellen Freiheit bedeutet, wollen sie darüber keinerlei Fremdbestimmung akzeptieren. Hier hilft letztlich nur der Hinweis auf das "Elfte Gebot": Tu, was du willst, aber trage die Folgen!
Wer sich so kleidet, dass andere über ihn lachen oder die Nase rümpfen, muss das ebenso erdulden wie ein spärlich bekleidetes Mädchen hinnehmen muss, dass Jungen meinen können, es böte sich ihnen an. Konkrete Kritik von Lehrerseite ist problematisch, weil Lehrer, Eltern und Schüler sehr unterschiedliche Sensibilität haben und von ganz verschiedenen Erwartungen geleitet sein können. Darum ist die Gefahr sehr groß, missverstanden zu werden. Schon allgemeine Grundsätze sollten deswegen besser gesprächsweise entwickelt als vorgegeben werden, um sie zur Akzeptanz zu bringen.
Immerhin dürfte für die Ziele, Neid zu vermeiden und Diebstahl vorzubeugen, leicht Konsens zu erzielen sein. Zur Konkretisierung lässt sich z.B. verabreden, in der Schule auf hochpreisige Markenbekleidungsstücke zu verzichten. Besonders schwer werden sich hingegen Schüler und Eltern damit tun, sich auf eine einheitliche Schulkleidung festzulegen, weil viele jede Art von Uniformierung ablehnen. Es wäre aber auch schon viel erreicht, wenn bei [3] Elternabenden oder [4] Pflegschaftsversammlungen Gespräche auf Klassen- und Schulebene überhaupt zu konkreten, verbindlichen Verabredungen führen.

Elternposition klären

Am schwierigsten ist die Auseinandersetzung über die richtige Schulkleidung daheim. Das Schulkind beruft sich auf die andern Schulkinder. Oft hält diese Behauptung der überprüfung nicht stand. Eltern tun gut daran, das untereinander gesprächsweise zu klären, z.B. auch auf einem [3] Elternabend. Gegen den Willen des Schulkindes an eigenen Grundsätzen festzuhalten ist schwer, aber unvermeidlich. Wenn Eltern keine klaren Grenzen ziehen, bleibt das Kind unerzogen.

Argumentationshilfe

Es gibt für die Wahrung solcher Grundsätze viele überzeugende Argumente, z.B.:

  • Niemand soll neidisch auf dich sein,
  • niemand soll dich auslachen,
  • niemand soll dich anmachen,
  • du musst nicht andere nachäffen,
  • gib selbst den andern ein gutes Beispiel,
  • nimm bitte die elterlichen Besorgnisse ernst,
  • die Verabredungen mit der Schule gelten auch für uns.

 

Erziehung strengt an

Kinder neigen dazu, nach alledem zu antworten: "Ich will aber doch ... anziehen". Dann müssen die Eltern entscheiden, ob sie das hinnehmen - und sich klarmachen, warum. Bequemlichkeit rächt sich nämlich. Konsequenz ist unbequem, aber im Allgemeinen doch die bessere Wahl. Es liegt in der elterlichen Verantwortung, wie sie die Kinder in die Schule laufen lassen. Das "Elfte Gebot" gilt eben auch für die Eltern: Die Folgen für das Kind können sich allerdings als viel unangenehmer herausstellen als der Kraftakt, sich hin und wieder durchzusetzen.


LINKS:
[1] Essay Balance suchen: www.publicationes.de/bildung/kompetenzentwicklung/54-balance-suchen.html - zurück zu [1] -
[2] Essay Bewusstsein schulen: www.publicationes.de/bildung/kompetenzentwicklung/53-bewusstsein-schulen.html - zurück zu [2] -
[3] Essay Elternabende mitgestalten: www.publicationes.de/bildung/schultipps/71-elternabend.html - zurück zu [3] -
[4] Essay Elternmitwirkung in der Schule: www.publicationes.de/bildung/schultipps/72-elternmitwirkung.html - zurück zu [4] -


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