Elternmitwirkung in der Schule von Peter Denker

Über Ziele und Methoden der elterlichen Mitwirkung in Schulen

Zu Beginn jedes Schuljahres finden auf [1] Elternabenden die Wahlhandlungen zur Konstitution der elterlichen Mitwirkungsorgane statt. Bei deren Sitzungen kommt es neben der Einhaltung der schulgesetzlichen Bestimmungen darauf an, Intentionen und Möglichkeiten der Mitwirkung pragmatisch so zu fassen, dass die schulischen Abläufe durch die Mitwirkenden nicht behindert, sondern befördert werden.

Schulrechtliche Situation

Schulmitwirkung ist in vielen Bundesländern ähnlich strukturiert: Lehrer, Eltern und Schüler sind als Mitglieder in der Schulkonferenz an grundlegenden Entscheidungen der Schule zu beteiligen, an die sogar die Schulleitung gebunden ist. Vorübergehend gab es in NRW sogar eine "paritätische" Besetzung dieses Entscheidungsgremiums mit gleich vielen Lehrer-, Eltern- und Schülervertretern. Die Politiker hatten angenommen, man könnte das Modell betrieblicher Mitwirkung auf das System Schule übertragen. Dieser Irrtum wurde von der jetzigen Landesregierung korrigiert. Gleichwohl übersteigt die umfängliche Liste der möglichen Mitwirkungsgegenstände die Grenze des erträglich Leistbaren ganz erheblich. Begrenzung ist deswegen unabdingbar, und zwar im Hinblick auf die Zahl und Dauer von Sitzungen sowohl der Schulkonferenz als auch der diese vorbereitenden Konferenzen der einzelnen Mitwirkungsorgane. Einer anderen Vorstellung aus dem Bereich der Mitwirkung in Betrieben kommen auch die geänderten Bestimmungen in NRW nicht bei: Sie unterstellen den Gruppen der Lehrer, Eltern und Schüler je ganz unterschiedliche Interessen, zu denen in der Schulkonferenz eine Balance hergestellt werden soll. Aber anders als bei Arbeitnehmern, Arbeitgebern und Anteilseignern liegen die Interessen in der Schule einander keineswegs diametral gegenüber.

Kooperation statt Konfrontation

Wenn das Land seine Aufgabe, die nötigen schulgesetzlichen Regeln zu erlassen, kompetent und weise erfüllt und die Schule von einer Leitungspersönlichkeit geführt wird, die ihre Aufgabe wie die der ganzen Schule als Dienstleistung für Schüler versteht, ist Mitwirkung vermutlich entbehrlich. Keinesfalls sollte sie jedoch als der betrieblichen Mitwirkung analoges Instrument der Interessenvertretung angesehen werden. Nichts vergiftet die Schulatmosphäre so sehr wie Konfrontationen. Andererseits kann Schulmitwirkung durchaus hilfreich sein, wenn sich die Mitwirkenden ihrerseits als Dienstleister für diese Schule engagieren möchten, die mit der Schulleitung dasselbe Ziel verfolgen, nämlich die Qualität der Schule wenigstens zu erhalten und nach Möglichkeit zu steigern. Wer mit der Absicht sich durchzusetzen und Macht auszuüben an einer Konferenz teilnimmt, vergiftet sie und erntet selten Zufriedenheit. Nicht besser geht es dem, der die Ergebnisse seiner Schwachstellenanalyse der Konferenz meint nörglerisch darbieten zu müssen. Wer sich in Konferenzen verhält wie viele Parlamentarier am Rednerpult, hätte sich besser nicht wählen lassen. Wer überraschend Vorwürfe erhebt oder Forderungen stellt, ist unfair. Wer in der Konferenz des Mitwirkungsorgans Selbstbestätigung sucht, verfehlt leicht das Wohl der Schule. Der eitle Besserwisser ist jeder Konferenz ein Grauen. Wer sich aber um Beantwortung der Frage bemüht, wie er dazu beitragen kann, ein bestehendes Problem einer guten Lösung zuzuführen, der leistet der Schule den besten Dienst. Nicht hilfreich ist die Erwartung oder gar Forderung, der Schulleiter solle den festgestellten Problemen gefälligst selbst abhelfen oder abhelfen lassen. Die wenigstens Schulleiter brauchen ein Kontrollorgan, aber Unterstützung bei ihren unzähligen Aufgaben benötigen sie alle.

Anregungen frühzeitig einbringen

Konferenzen wollen gut vorbereitet sein, damit sie gute Ergebnisse zeitigen können. Die gute Vorbereitung ist nicht nur Sache der Konferenzleitung. Möglichst schon vor Erstellung der Tagesordnung sollten Teilnehmer wichtige Anliegen mit der Konferenzleitung vorbesprechen. Gibt erst die Tagesordnung Anlass, etwas nachzufragen oder eine Ergänzung vorzuschlagen, wird es günstiger sein, die Konferenzleitung möglichst lange vor Beginn der Konferenz schon darauf anzusprechen. Nur so kann sie sich auf Fragen auch angemessen vorbereiten.

Anfragen sind erträglicher als Anträge

Groß ist die Verantwortung der gewählten Vorsitzenden der Pflegschaften der Klassen bzw. Stufen und der Schulpflegschaft hinsichtlich der Anträge, die der übergeordneten Konferenz zur Beschlussfassung gegeben werden. Bevor man das als Pflegschaftsvorsitzender geschehen lässt, ist es gut, sich der drei Siebe des Sokrates zu erinnern: Beruht der Antrag auf wahren Tatsachen, ist er gut - und ist er nötig? Wo daran Zweifel bestehen, empfiehlt sich stattdessen eher eine zu Protokoll gegebene Anfrage. Denn ein Antrag kann wie eine Faust wirken, eine Anfrage eher wie eine ausgestreckte Hand.

Mit unaufdringlichen Beiträgen überzeugen

Auch wer sich in den Konferenzen zu Wort meldet, sollte sich der Wirkung bewusst sein, die von der Art seines Auftretens ausgeht: Fragen wirken akzeptabler als Behauptungen, freundlicher Blickkontakt besser als dessen Vermeidung, zurückhaltende Gesten überzeugender als demagogisch-beschwörende und die normale Stimmlage eingängiger als lautstarke Betonung. Wenn man also all das unterlässt, womit viele Politiker sich vor Kameras am Rednerpult brüsten, dann erweist man dem sachlich-konstruktiven Verlauf von schulischen Konferenzen den besten Dienst.


LINK:
[1] Essay Elternabende mitgestalten: www.publicationes.de/bildung/schultipps/71-elternabend.html - zurück zu [1] -


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