Elternabende mitgestalten von Peter Denker

Über Teilnahmemotive und interessante Themen

Nach Schuljahresbeginn finden in allen Schulen Elternabende statt, auf denen u. a. die Elternvertreter für die Schulpflegschaft zu wählen sind. Solche Wahlhandlungen werden auf die Dauer langweilig. Aber die Teilnahme ist lohnend, wenn man selbst zu einer inhaltlich befriedigenden Gestaltung beiträgt. Anregungen dazu finden Sie hier.

Teilnahmemotive

 

  1. Die Teilnahme liegt im Interesse der Eltern selbst:
    • Sie möchten den Lehrer ihres Kindes kennen lernen. Wie präsentiert er seine Klasse, seine Eindrücke und seine Vorhaben und bei alledem sich selbst?
    • Sie möchten ihn befragen können, z. B. welche Schwierigkeiten es momentan gibt und was sie zur Lösung beitragen können.
    • Und sie möchten sich miteinander über die Schule und die Kinder austauschen können.
  2. Es geht um die Schulkinder:
    • Welche Verhaltensweisen zeigen sie in der Schule?
    • Welche Beobachtungen weiß der Lehrer zu berichten?
    • Was können andere Eltern dazu mitteilen?
    • Was hört man vom eigenen Kind?
    • Welche Besorgnisse und welche positiven Ansätze sind es wert, darüber zu sprechen?
  3. Schule und Elternhaus haben gemeinsame Ziele:
    • Der lebendige Informationsaustausch, also das Gespräch miteinander, ist eine unverzichtbare Grundlage für das Gelingen der Erziehungs- und Bildungsbemühungen daheim und in der Schule.
    • Was kann man tun, was sollte man lassen, um diesen Bemühungen zum Erfolg zu verhelfen?

 

Wem die Entwicklung des eigenen Schulkindes wichtig ist, sollte also den Elternabend nicht versäumen!

Mögliche Themen

 

  • Vorstellung der Kinder durch die Eltern (z. B. Geschwister, Interessen und Hobbies, eine lustige Begebenheit, ggf. eine Rücksichtnahme erfordernde Eigenschaft oder Erkrankung)
  • Möglichkeiten für die Eltern, den Lernerfolg ihrer Kinder zu unterstützen (z. B. Zustand der [1] Schultasche, Vollständigkeit und Form der Hausaufgaben, Pünktlichkeit, häusliche Gespräche über Tagesereignisse auch anhand einer Tageszeitung, Leseförderung durch ansprechende, altersgemäße Bücher, ordentlicher [2] Arbeitsplatz für konzentriertes Arbeiten, Begrenzung des Fernseh- und Medienkonsums und elektronischer Spiele, Gespräche über gemeinsame Erlebnisse, intensives Bemühen um angemessene Ausdrucksweise und Vorbildhaftigkeit)
  • Methodik des Selbstlernens: Wie führt die Schule ihre Schüler zu selbständigem Lernen und wie können Eltern dies unterstützen?
  • Förderliche Lebensbedingungen (z. B. Schlaf, Ernährung, Tagesrhythmus, Bewegung, Konzentration)
  • Wie kann man Einzelkindern helfen, ihr Geschwisterdefizit zu kompensieren?
  • Umgang von [3] Schule und Elternhaus mit Konfliktsituationen (z. B. geeignete/ungeeignete Methoden der Kommunikation, gegenseitige Erwartungen und Unterstützungsmöglichkeiten)
  • Gestaltungs-/[3] Mitwirkungsmöglichkeiten bei gemeinschaftsbildenden Aktivitäten (z. B. Klassenfahrten, Wandertage, Klassenfest, außerunterrichtliche Gemeinschaftsaktivitäten in Sport, Theaterspiel, Musizieren, Basteln, Malen, Arbeitsgemeinschaften u. Ä.)
  • Über die heimlichen Erzieher der Kinder und Möglichkeiten der Einflussnahme (z. B. sogenannte und wirkliche Freunde, häusliche Stimmung, Erlebnisse, Medien)
  • Was ist emotionale Intelligenz (nach D. Goleman) und wie lässt sie sich veranlagen?
  • Brainstorming: Wie können wir Eltern uns darin gegenseitig unterstützen, dass Dritte unsern Kindern gern begegnen werden?
  • Über [4] bewusstseinsbildende Maßnahmen (z. B. erweiterte Wiedergutmachung) und konsequentes bzw. inkonsequentes Erzieherverhalten.
  • Über das [5] Ausbalancieren von Freizeit und Schulpflichten sowie zwischen Schonung und Inanspruchnahme bei häuslichen Pflichten und über "wertvolle Freizeitaktivitäten"
  • Über die Bedeutung vermeintlich unmoderner Werte (z.B. Fleiß, Anstrengung, Pflichtbewusstsein, Leistungsbereitschaft, Verantwortung, Rücksichtnahme, Höflichkeit)
  • Über den Umgang mit [6] Beeinträchtigungen in der Gemeinschaft (z. B. Unbeherrschtheit, Aggression, verbale/körperliche Gewalt, Hänseln, Mobbing, Neid, Eigentumsdelikte)
  • Mit welchen Aktivitäten oder Kompetenzen können Eltern die schulischen Angebote und Intentionen unterstützen und erweitern?

 

Eltern, die sich von der Thematik des Elternabends angesprochen fühlen, nehmen gern wieder an solchen Abenden teil. Denn relevante Inhalte interessieren die Eltern natürlich mehr als formale Wahlhandlungen.

Praxis-Tipps

Die Einladung zum Elternabend ist an manchen Schulen so knapp gehalten, die Tagesordnung so förmlich, dass man weder von den eingangs erwähnten Motiven noch von den Themenbeispielen darin etwas entdeckt. Da die mit der Einladung mitgeteilten Tagesordnungen Vorschlagscharakter haben, können sie auf Anregung der Eltern und entsprechenden Beschluss zu Beginn des Elternabends natürlich erweitert werden. Es empofiehlt sich, schon möglichst frühzeitig vor dem Elternabend mit bekannten Eltern und dem Lehrer darüber zu sprechen, welches Thema Eltern sich zusätzlich wünschen möchten, ggf. auch an einem weiteren Elternabend. Jedenfalls ist dringend anzuraten, eine Gesprächsrunde zu einem derartigen Thema den vorgeschriebenen Wahlhandlungen voranzustellen. Denn damit gewinnen sie über die thematischen Informationen hinaus eine solide Grundlage zur Entscheidung, welche Eltern sie mit der Vertretung der Klassenanliegen in der Schulpflegschaft und Schulkonferenz betrauen möchten.


LINKS:
[1] Essay Die Schultasche: www.publicationes.de/bildung/schultipps/69-schultasche.html - zurück zu [1] -
[2] Essay Der häusliche Schülerarbeitsplatz: www.publicationes.de/bildung/schultipps/74-schueler-arbeitsplatz.html - zurück zu [2] -
[3] Essay Elternmitwirkung in der Schule: http://www.publicationes.de/bildung/schultipps/72-elternmitwirkung.html - zurück zu [3] -
[4] Essay Bewusstsein schulen: www.publicationes.de/bildung/kompetenzentwicklung/53-bewusstsein-schulen.html - zurück zu [4] -
[5] Essay Balance suchen: www.publicationes.de/bildung/kompetenzentwicklung/54-balance-suchen.html - zurück zu [5] -
[6] Essay Schulfrust: www.publicationes.de/bildung/schultipps/66-schulfrust.html - zurück zu [6] -


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