Schulerfolg sichern von Peter Denker

Vermeidung von und Hilfe bei schulischen Minderleistungen

Das Schulkind schreibt Klassenarbeiten, die fortgesetzt nur mit "ausreichend" oder noch schwächer benotet werden. Die Eltern wollen dem Kind helfen.

Eltern sind keine Nachhilfelehrer

Den Eltern ist dringend abzuraten, dem eigenen Kind Nachhilfeunterricht zu geben, selbst dann, wenn sie die dazu nötige Kompetenz besitzen. Denn das belastet die Eltern-Kind-Beziehung in aller Regel erheblich. Außerdem können sich Meinungsverschiedenheiten zum Fachlehrer oder der Schule insgesamt daraus entwickeln, deren Austragung dem Kinde nicht dienen. Bedenken Sie: Die Schule ist kein Fernlehrinstitut für Eltern zu deren Ausbildung als Nachhilfelehrer. Und die Methode, mit der Sie früher unterrichtet wurden, unterscheidet sich meist von der, mit der Ihr Kind heute unterrichtet wird. Ihr Bemühen, ihm zu helfen, wie Sie selbst es gelernt haben, kann es also womöglich zusätzlich verunsichern. Selbst wenn Sie über die aktuelle fachliche und methodische Kompetenz verfügten: Ersparen Sie Ihrem Kind und sich selbst den Stress familieninterner Nachhilfe. Denn sowenig ein Arzt nahe Angehörige mit der nötigen emotionalen Distanz behandeln kann, so wenig kann ein Elternteil sein eigenes Kind so gelassen wie ein fremdes unterrichten.

Günstige Lebens- und Arbeitsbedingungen schaffen

Natürlich können Eltern dem eigenen Kind sehr wohl helfen, in der Schule erfolgreich zu sein. Das fängt mit förderlichen Lebensbedingungen an: Genügend Schlaf, gesunde Ernährung, ein harmonisches Familienleben, ein geeigneter [1] Arbeitsplatz, ein ausgewogener Tagesrhythmus mit definierten Zeitfenstern für Schularbeiten, Hilfe im Haushalt und Freizeit. Dazu gehört auch, dass Sie sich genügend Zeit für Ihr Kind nehmen, ihm zuhören, es zum Lesen von Büchern und zum Erfassen von Nachrichten anregen, und sich mit ihm über Erlebnisse, Ereignisse und Lektüre zu unterhalten.
Vermeiden Sie nach Möglichkeit die zusätzliche Belastung des Schulkindes durch Erwerbstätigkeit, denn die Schule ist für die Kinder so anstrengend wie der Beruf für die Eltern. Je nach Selbständigkeit und Verlässlichkeit des Schulkindes sollten Eltern durch regelmäßige oder gelegentliche Kontrollen ihr Interesse am Schulerfolg bekunden: Wie viel Zeit und Sorgfalt verwendet das Schulkind für seine Hausaufgaben? Arbeitet es konzentriert? Radio, Fernsehen oder Spiele sollten während der Schularbeiten tabu sein. Die Regel "Erst die Arbeit, dann das Spiel" bewährt sich. Nach den Schularbeiten ist es so weit, die Form und Vollständigkeit der Hausaufgaben - aber bitte nicht deren Richtigkeit - und den Inhalt der Schultasche anfangs regelmäßig und später gelegentlich zu kontrollieren. Sie dürfen sicher sein: Eine Hausaufgabe, deren Form Ihnen nicht zusagt, wird auch dem Lehrer nicht gefallen. Lesbar, ordentlich und gefällig soll das Heft sein. Setzen Sie durch, dass ein Absatz oder eine Seite neu geschrieben oder notfalls ein neues Heft begonnen wird.

Konsequenz ist unabdingbar

Wenn das Kind merkt, dass es sich Ihrer Forderung entziehen kann, wird es das versuchen. Sie haben ein gutes Argument, wenn sie ihm authentisch erklären: "Dein Schulerfolg ist mir wichtig." Dazu gehört dann auch, dass Sie Sprechtage und [2] Elternabende besuchen und die Klassenarbeitsergebnisse und Zeugnisse regelmäßig zur Kenntnis nehmen und bei erkennbaren Problemen Kontakt zum Klassen- oder Fachlehrer (möglichst in dessen Sprechstunde) aufnehmen. Wichtig ist auch, dass Sie Kontrollen, die sie ankündigen, auch wirklich vornehmen. Und ebenso, dass Sie auf der Einhaltung von Vereinbarungen und Regeln durchgehend bestehen. Wenn das Kind nämlich ein Schlupfloch erkennt, wird es auch hindurchzuschlüpfen versuchen.

Feedback geben

Zu konsequentem Verhalten gehört auch, unzureichende oder gelungene Fortschritte als solche sachlich festzustellen. Das Kind aufzufordern, sich konkrete Schritte zur Verbesserung seiner Leistungen zu benennen und Kontrollen dafür mit ihm zu vereinbaren, schließt sich daran an. Am wichtigsten aber ist, dass Sie Ihr Kind ermutigen und für seine Fortschritte loben. Ihr Kind darf nie den Eindruck bekommen, dass Ihre Liebe zu ihm durch schulischen Misserfolg in Gefahr ist.

Ursachen für den Misserfolg hinterfragen

Wenn ein Schulkind Minderleistungen erbringt, fühlen sich Eltern davon bisweilen stärker betroffen als das Kind selbst. Das Kind neigt dazu, die Schuld dem Lehrer zu geben. Eltern suchen die Schuld für das Versagen auch lieber in der Schule als beim Kind oder bei sich. Schuldzuweisungen helfen aber niemandem. Wichtig ist, nicht nur die Ursache des Misserfolgs auszumachen, sondern Bedingungen für den Erfolg zu erfragen.
Dabei kann der Lehrer aufgrund seiner Beobachtungen im Unterricht einen wichtigen Beitrag liefern. Er sollte am besten beurteilen können, womit dem Kind am wirksamsten geholfen werden kann. Und sollte ein Lehrer wegen erkennbarer überforderung zum Schulwechsel raten, fragen sie auch die andern Lehrer Ihres Kindes danach. Sollte sich ein Schulkind in mehreren Fächern andauernd als überfordert erweisen, empfiehlt sich Nachhilfe nicht. Versuchen Sie stattdessen lieber herauszufinden, womit und wie das Kind seine Lern- und Lebensfreude zurückerlangen kann, auch wenn sich dabei vielleicht herausstellt, dass Sie Ihre Träume von der Zukunft Ihres Kindes revidieren müssen.

Nachhilfe

Wenn das Schulkind etwa wegen einer Krankheit oder häuslicher Probleme zeitweilig nicht gut lernen konnte, kann Nachhilfe nötig und nützlich sein. Eine ausgebildete Lehrkraft verfügt mit großer Wahrscheinlichkeit über die erforderliche Professionalität. Das versprechen auch die kommerziell für Schülerhilfe tätigen Unternehmen, die es in jedem größeren Ort gibt. über schulinterne Möglichkeiten der Hausaufgabenbetreuung informiert die Schule. Hinlänglich begabten Schülern können auch ältere Mitschüler gut und wirksam helfen, die man vom Fachlehrer als fachlich kompetent benannt bekommen kann, auch wenn sie nicht als professionelle Helfer gelten können. Immerhin ist ihre Hilfe erschwinglich.
In jedem Fall ist sehr anzuraten, dem Kind in den Nachhilfeunterricht die Klassenarbeit(en) mitzugeben, für die es eine unbefriedigende Note bekommen hat. Denn mit entsprechender Hilfe kann man aus den eigenen [3] Fehlern lernen , wie man sie künftig vermeiden kann. Nachhilfe ist keine Schande, aber auf Dauer darauf angewiesen zu sein ein Hinweis darauf, dass eine überforderung des Schulkindes vorliegen kann.

Zukunftsperspektive Ganztagsschule

Weil viele Elternhäuser wünschenswerte Bedingungen für den Schulerfolg ihrer Kinder nicht hinlänglich garantieren können, ist die politisch propagierte Einführung von mehr Ganztagsschulen aller Schulformen sicher begrüßenswert, zumal in anderen Ländern längst selbstverständlich. Ob Nachhilfe dadurch allerdings ganz entbehrlich wird, muss sich erst zeigen. Sicher aber wird keine Schulreform verhindern dürfen und können, dass Kinder mehr Schulerfolg haben, deren Eltern sie in guter Weise unterstützen.


LINKS:
[1] Essay Der häusliche Schülerarbeitsplatz: www.publicationes.de/bildung/schultipps/74-schueler-arbeitsplatz.html - zurück zu [1] -
[2] Essay Elternabende mitgestalten: www.publicationes.de/bildung/schultipps/71-elternabend.html - zurück zu [2] -
[3] Essay Aus Fehlern lernen: www.publicationes.de/bildung/kompetenzentwicklung/68-aus-fehlern-lernen.htmll - zurück zu [3] -


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