Schulfrust von Peter Denker

Wenn das Schulkind weinend oder zornig heimkommt

Im Schuljahr braucht nicht viel Zeit zu vergehen, bis der erste Frust mit dem Schulkind nach Hause getragen wird. Tränen oder Zorn signalisieren den Eltern: "Versteh mich, [1] tröste mich, hilf mir!"

Ermutigung zum Bericht

"Was ist denn jetzt schon wieder?!" klingt entnervt und wirkt abweisend. Besser ist: "Erzähl mir doch, was dich so traurig / zornig gemacht hat." Das ist nämlich eine Einladung an das Schulkind, sich zu öffnen, wenn es anteilnehmend und nicht etwa abweisend gesagt wird. Es dann ausreden lassen und ggf. nachfragen: "Habe ich dich richtig verstanden? Meinst du .. " (im Sinne aktiven Zuhörens), ohne selbst Stellung zu nehmen, fördert die Bereitschaft beim Kind, alles zu erzählen. Das Interesse der Eltern hilft dem Kind, sich angenommen und verstanden zu fühlen.

Vorläufige Antwort

"Das hat dir ja wirklich viel Kummer gemacht. Ich verstehe dich gut und wäre an deiner Stelle auch sauer." Das ist die Botschaft, die tröstet. Jetzt schon eine bewertende Stellungnahme abzugeben, wäre verfrüht, so z.B. "Das ist ja eine Frechheit von ... - dem werde ich meine Meinung sagen!" Nein, Eltern sollten zunächst Zeit gewinnen, um der Sache auf den Grund kommen zu können. Denn bisher hat das traurige oder zornige Kind ja nur seine Empfindungen und seine Sicht des so empfundenen Geschehens gegeben. Was sich tatsächlich ereignet hat, sehen andere womöglich ganz anders. Manches Kind aktiviert mehr oder minder bewusst das elterliche Mitleid als Schutzwall gegen mögliche Anschuldigungen, die es erwartet. Jedenfalls sind Eltern gut beraten, dem Kind echtes Mitgefühl zu schenken und sich zugleich eine gewisse Skepsis gegenüber dem geschilderten Geschehen zu bewahren. Um die zur Klärung nötige Zeit zu gewinnen, ist empfehlenswert, dem Kind eine Brücke zu bauen, die sein Wohlbefinden verbessert, z.B. "Nun iss / trink / lies / spiel / musizier / ... erstmal ein Weilchen, bis du dich besser fühlst."

Klärung

Jugendliche kann man unter Umständen schon dazu bringen, die Sache mehrperspektivisch zu beleuchten, indem man sie fragt: "Und wie stellst du dir vor, hat der / die ... das erlebt?" Oder: "Was hat eigentlich ... beabsichtigt oder was hat ... Wichtiges für sich getan?" - Andernfalls bleibt nur die Klärung durch Nachfrage bei Beteiligten, an denen sich der Kummer des Kindes entzündet hat, besser noch bei Beobachtern des Geschehens. Erstaunt wird festzustellen sein, dass das gleiche Geschehen sich aus anderer Perspektive ganz anders darstellt. Machen Sie sich bewusst: Eltern neigen dazu, für ihr Kind Partei zu ergreifen. Und es fällt den meisten Eltern schwer einzuräumen, dass ihr Kind etwas falsch gemacht hat. Es bleibt also schwierig herauszufinden, was wirklich war.

Beratung

Wenn nun die Eltern mehr über den Sachverhalt wissen, fangen die Schwierigkeiten erst richtig an. Denn wie man dem eigenen Kind am besten helfen kann, könnte leicht Gegenstand eines Buches sein. Folgende Gesichtspunkte aber geben wenigstens Orientierung:

  • Wie könnte oder sollte sich das Kind verhalten, um solchen Vorfällen künftig aus dem Weg zu gehen oder besser damit umzugehen? Wo kann es Unterstützung finden? Was könnte es tun, was besser lassen?
  • Wie kann es auf die Beteiligten ggf. wieder zugehen, ohne sich oder jene zu demütigen?
  • Wenn formale Schritte zum Schutz des Kindes nötig sind, z.B. eine Anzeige gegen einen Angreifer, empfiehlt sich vorher ein Gespräch mit dem Klassen- oder Vertrauenslehrer oder der Leitung der Schule.
  • Wenn Kritik an der Schule oder einer Lehrkraft nötig erscheint, sollte sie so diskret übermittelt werden, dass das Vertrauen des Kindes in seine Schule und seine Lehrer nicht Schaden nimmt. Schulhefte taugen nicht zur kommunikativen Auseinandersetzung mit der Schule! Und Kinder lernen in der Schule erfolgreicher, wenn sie spüren, dass Eltern und Lehrer sich einig sind.
  • Persönliche Gespräche sind schriftlichen Mitteilungen immer vorzuziehen; denn sie geben Gelegenheit zur Wahrnehmung der gegenseitigen Befindlichkeit und zur unkomplizierten Richtigstellung.
  • Eltern sollten die nötigen Botschaften richtig adressieren: Dem Kind, was ihm hilft, den Lehrern, wie sie helfen können, andern Eltern, worauf sie bei ihren Kindern womöglich mehr achten sollten. Es trägt nicht zur Problemlösung bei, allen alles mitzuteilen.
  • Dem eigenen Kind sollten Eltern die Kritik an seinem Verhalten nicht vorenthalten. Sie können ihm beschreiben, mit wem man zu seiner Unterstützung spricht, nicht aber in welcher Weise oder mit welchem Verlangen. Und hinterher mag es heißen: "Wir hatten ein gutes Gespräch. Und ... hat gesagt, er / sie versteht dich jetzt viel besser". Brücken bauen ist besser als Brücken einzureißen.

 

Zum Schluss bleiben Hoffnung und Liebe

Eltern müssen sich damit abfinden, dass sie nicht alles wirklich klären können und dass sie ihr Kind nicht gegenüber jedermann und allem verteidigen und schützen können. Auch werden sie nicht umhin kommen, beim eigenen Kind bisweilen Fehlverhalten festzustellen. Sie dürfen dennoch die Hoffnung darauf nicht aufgeben, dass sich das Kind positiv entwickeln wird. Und dazu trägt bei, ihm zu sagen: "Du bist aber mein liebes Kind! Du kannst dich auf mich immer verlassen. Und ich möchte mich immer auf dich verlassen können." Mit dieser Haltung leisten die Eltern einen emotional eminent wichtigen Beitrag zum [2] Schulerfolg ihrer Kinder.


LINKS:
[1] Essay Trost spenden: www.publicationes.de/wissen/psychologie/65-trost-spenden.html - zurück zu [1] -
[2] Essay Schulerfolg sichern: www.publicationes.de/bildung/schultipps/67-schulerfolg-sichern.html - zurück zu [2] -


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