Balance suchen von Peter Denker

Schwierige Entscheidungen gründlich abwägen

Sie kennen gewiss viele Alltagssituationen, in denen Sie sich entscheiden müssen:

  • Soll ich - oder soll ich nicht:
    Sage ich die Wahrheit oder verschweige ich sie besser?
  • Brauche ich - oder brauche ich nicht:
    Soll ich das neue Gerät anschaffen oder darauf verzichten?
  • Darf ich - oder darf ich nicht:
    Darf ich den Nachbarn z.B. schon wieder um Hilfe bitten oder jetzt besser nicht?
Im folgenden können Sie lernen, mit solchen Situationen besser umzugehen.

Gratwanderung

Die Beispiele verdeutlichen, dass es zahllose Situationen gibt, denen folgendes gemeinsam ist: Auf beiden Seiten geht es hinab wie neben dem Grat eines Gebirgskamms: Einerseits zu viel, andererseits zu wenig; einerseits Wahrheit, die unmenschlich sein kann, andererseits Lüge, die ungute Gefühle hervor ruft, einerseits reden andererseits schweigen, einerseits begehren, andererseits verzichten.

Es ist so schwer, es richtig zu machen, wie es schwer ist, im Gebirge auf einem Bergkamm zu wandern, ja bisweilen schwindelerregend. Dabei hat der Bergkamm noch den großen Vorteil, dass er wenigstens physikalisch als solcher existiert und erkennbar ist, oft sogar als Weg begehbar. Den schmalen Grat aber zwischen zu viel und zu wenig z.B., wie soll man den finden? Es gibt ihn wohl, aber wo verläuft er? Das Leben mutet uns immer wieder zu, solche Gratwanderungen zu unternehmen.

Entscheidungen ausweichen?

Natürlich kann man versuchen auszuweichen. Aber das produziert nur neue Grate:

  • Handeln oder untätig bleiben?
  • Jetzt oder zu spät?
  • Das Problem lösen oder nicht?
  • Bin ich wirklich nicht zuständig oder eigentlich doch?
  • Kann ich gar nicht helfen oder es vielleicht doch wenigstens versuchen?
  • Wie kann ich meine Selbstachtung bewahren oder verlieren?
Sie können nicht umhin, sich zu entscheiden. Aber wie? Vielleicht hilft Ihnen die folgende Imagination dabei:

Blickrichtung und Balance

'Der Seiltänzer' Drechselarbeit und Foto von Karl Rüdiger

'Der Seiltänzer' - Drechselarbeit und Foto von Karl Rüdiger

Wenn der Bergwanderer nach links oder rechts schaut, fühlt er sich wie ein Seiltänzer, der nach unten blickt: unsicher und unwohl. Bergwanderer und Seiltänzer wissen: Wer nach vorn schaut, fühlt sich wohler. Wer nach vorn schaut, überwindet seine Unsicherheit und Angst und verbessert seine Chance, nicht abzustürzen, sondern drüben heil anzukommen. Und vom Seiltänzer können wir lernen, worauf es ganz besonders ankommt: Das Gleichgewicht bewahrt er durch geschicktes Balancieren. Das will geübt sein. Der Übung bedarf es auch, die Abhänge zu erkennen, die man überbrücken kann: Wo immer ein "Oder" - womöglich durch ein "Entweder" verschärft - einen Abgrund schafft, ist die Frage hilfreich, ob nicht ein "Und" den vermeintlichen Gegensatz aufzulösen vermag. Gerade das hilft Ihnen beim Finden von Balance!

Behutsamkeit

Wo aber ist vorn und wie Balance zu üben in den Entscheidungs-Situationen des Lebens? Wie jeder Weg mit einem ersten Schritt beginnt, so auch jeder schwierige. Die Richtung bestimmt man meist intuitiv. Wohin man will, ist entweder von vornherein klar oder doch klärbar. Stehen bleiben ist nicht angesagt. Wagnis ist das Grundmuster alles Lebendigseins. Leichtfertigkeit und Ängstlichkeit bilden wieder einen Grat, den es mit Balance zu bezwingen gilt: Mit Vorsicht und Behutsamkeit sind beide zu überwinden.

Fragen klären

Wenn aber das jeweilige Ziel nicht intuitiv klar ist, wie ist es klärbar? Die Frage, was man erreichen möchte und warum, findet bisweilen mehrere Antworten. Gefühl und Erfahrung geben uns nötige Entscheidungshilfen. Auch Entscheidungen gelingen mit zunehmender Übung immer sicherer.

Trauen Sie Ihren Gefühlen und vertrauen Sie auf Ihre Erfahrungen. Und besprechen Sie sich mit Menschen Ihres Vertrauens. Die können Ihnen oftmals neue Perspektiven eröffnen. Indem Sie versuchen, ihnen Ihr Problem und Ihre Sichtweise mitzuteilen, wird beides Ihnen selbst schon klarer. Sie sind nicht allein auf der Welt. Selbst wenn Sie meinen, es gäbe keinen Menschen, mit dem Sie sich austauschen könnten, so führen Sie einen Dialog mit Gott, wenn Sie glauben können, oder führen ihn mit sich selbst.

Was möchten Sie erreichen? Was ist Ihnen wichtig? Wechseln Sie die Perspektive:

  • Was wünschen sich der andere oder die andern?
  • Was ist aus dessen bzw. deren Sicht gut, was akzeptabel?
  • Worin bestehen die Schwierigkeiten? Welche Möglichkeiten zu handeln sehen Sie?
  • Welche Folgen sind absehbar? Gibt es Alternativen mit akzeptableren Folgen?
  • Wie werden der andere bzw. die andern sich fühlen? Und wie werden Sie selbst sich fühlen?

Ausbalancierte Kompromisse suchen

Extreme und Gegensätze machen das Entscheiden oft schwer. Wendungen wie z.B. "entweder .. / oder ..", "nicht .. / sondern ..", "unbedingt", "auf gar keinen Fall" oder "alternativlos" sollten einen aufhorchen lassen. Sie leiten nämlich häufig Aussagen ein oder machen Haltungen erkennbar, die zu Problemen führen, weil sie von andern als unausgewogen empfunden und darum abgelehnt werden. Wer sein [1] Bewusstsein trainiert, derartige Überbetonungen wahrzunehmen, wird sich von vorn herein darum bemühen, solche Wendungen zu vermeiden. Und wer sich bemüht, wo irgend möglich das "Oder" durch ein "Und" zu ersetzen, findet bessere Lösungen!

Entscheidungen überschlafen

Bergwanderer und Akrobaten trainieren viel und ruhen sich von und vor ihren Anstrengungen aus. Das ist wichtig. Ist ein Entschluss gefasst, solltest man eine Nacht darüber schlafen, ehe man ihn verwirklicht. Im Schlaf nämlich wird, was uns bewegt, in uns vertieft und unbewusst geistig bearbeitet. Beim Erwachen stellt sich das Gefühl dafür deutlicher ein, was jetzt angebracht sei. Nutzen Sie das Frühstück, um sich die eigenen Gefühle bewusst zu machen. Danach schreiten Sie behutsam zur Tat. Das Ziel, das Sie dann anstreben, ist wie ein helles Licht, auf das Sie sicher zugehen können - ohne Angst abzustürzen.

 


Hinweise:


LINKS:
[1] Essay Bewusstsein schulen : www.publicationes.de/bildung/kompetenzentwicklung/53-bewusstsein-schulen.html - zurück zu [1] -
[2] Gedicht BALANCE: www.publicationes.de/sprache/lyrik/56-balance.html
[3] Bild -> Drechselarbeiten von Karl Rüdiger : www.kleine-welten-in-holz.de
[4] Aufsatz Fröhlicher Jahrmarkt : www.publicationes.de/verschiedenes/holzwelten/133-jahrmarkt.html


© Copyright 2009 by PUBLICATIONES - details: www.publicationes.de/allgemeines/copyright.html